Erste psychiatrische Präventionsambulanz in Niedersachsen
Land fördert Modellprojekt der PKL mit zwei Millionen Euro
Die Psychiatrische Klinik Lüneburg (PKL) errichtet in Kooperation zwischen Allgemeinpsychiatrie und Forensik die erste Präventionsambulanz in Niedersachsen. Ziel des Modellprojekts ist es, ein Vorsorgeangebot für psychisch erkrankte Menschen mit einem erhöhten Risiko zu einem gewalttätigen Verhalten zu schaffen. Gleichzeitig dient die Arbeit der Präventionsstelle auch dem Schutz potenzieller Opfer. Das Land Niedersachsen fördert das zunächst auf vier Jahre angelegte Modellprojekt.
In Deutschland leben rund 18 Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen. Etwa 15.000 von ihnen werden in Kliniken für forensische Psychiatrie behandelt, nachdem sie aufgrund ihrer Erkrankung straffällig geworden sind. Das entspricht einem Anteil von 0,083 Prozent. „Auch wenn diese Zahl sehr klein ist, macht sie deutlich, dass die Versorgung schwer psychisch Erkrankter unzureichend ist und es zu wenige präventive Angebote für diese Personengruppe gibt“, sagt Jan-Hendrik Kramer, Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik Lüneburg. „Da es in Bayern zum Beispiel am Bezirksklinikum Ansbach bereits sehr positive Erfahrungen mit einer Präventionsstelle gibt, haben wir dem Sozialministerium das Konzept eines Modellprojekts für Niedersachsen in der PKL vorgeschlagen. Dank der Förderzusage des Landes können wird jetzt mit dem Aufbau der Präventionsambulanz beginnen.“ Im ersten Schritt geht es darum, neue Kolleginnen und Kollegen für das Team der Präventionsambulanz zu finden, die dann im Weiteren ihre Arbeit aufnehmen kann.
Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi: „Mit der ersten psychiatrischen Präventionsambulanz in Niedersachsen wird ein wichtiger Schritt unternommen, um die Lücken zwischen Allgemeinpsychiatrie und Maßregelvollzug zu schließen. Durch den interdisziplinären Wissensaustausch wird eine differenzierte Risikoabschätzung ermöglicht. Sie dient der präventiven Behandlung psychisch erkrankter Menschen, um Straftaten zu verhindern, die eine längere Behandlung im Maßregelvollzug nach sich ziehen. Sie stärkt aber auch den Schutz potenzieller Opfer.“
Die entstehende Präventionsambulanz, als spezialisiertes niederschwelliges Angebot und kompetente Anlaufstelle für eine definierte Personengruppe, wird die allgemeinpsychiatrische Versorgung der PKL erweitern. Die Betroffenen sollen kontinuierlich individuelle Begleitung erhalten. „Das Entscheidende dabei ist unter anderem der aufsuchende proaktive Charakter des Behandlungsangebots, mit dem wir uns auch an Schwersterkrankte richten, die durch bestehende Versorgungssysteme bisher nicht erreicht werden“, so Kramer. Die Inanspruchnahme des Präventionsangebots ist freiwillig. Es ist zunächst für die Menschen mit psychischen Erkrankungen gedacht, die im Einzugsgebiet der Erwachsenenpsychiatrie der PKL leben: Hansestadt und Landkreis Lüneburg sowie Landkreis Harburg.
Artikel-Informationen
erstellt am:
16.02.2026
Ansprechpartner/in:
Pressestelle

