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Alternativtext zur Veranstaltung Able-was? Behinderung und Ableismus

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung hat am 24.09.2025 zu einer Veranstaltung mit dem Titel: „Able-was? Behinderung und Ableismus eingeladen. Während der Veranstaltung wurde ein sogenanntes Graphic Recording von Frau Anja Weiss angefertigt. Sie stellt sich selber mit einer Kurzhaarfrisur, einer Brille und einem Stift in der Hand dar. Ein Graphic Recording ist eine Zeichnung, die während einer Veranstaltung gezeichnet wird und den Inhalt bildlich darstellt und zusammenfasst.

Das Bild lässt sich in 5 Segmente unterteilen. Das erste Segment erstreckt sich über den oberen Bildrand. In diesem ist die Moderation Kübra Sekin abgebildet. Frau Sekin sitzt in ihrem Rollstuhl, trägt ein schwarzes Kleid und hat eine Hochsteckfrisur. Mittig des oberen Randes befindet sich das Logo der Veranstaltung „Able-Was? Behinderung und Ableismus“. Zusätzlich gibt es noch den Hinweis darauf, dass die Veranstaltung in Deutsche Gebärdensprache, Leichte Sprache und Schrift übersetzt wird.

Die anderen vier Segmente sind von links nach rechts in die einzelnen Programmpunkte der Veranstaltung unterteilt. Links beginnend befindet sich das Grußwort der stellvertretenden Staatssekretärin und Abteilungsleiterin für Soziales, Pflege und Psychiatrie im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Frau Dr. Gesa Schirrmacher. Sie trägt einen blauen Blazer, eine Kurzhaarfrisur und eine runde Brille.

In ihrem Grußwort betont Frau Dr. Schirrmacher, dass „Normal“ ein Problemwort ist und Menschen, die nicht die gesellschaftlichen Normen entsprechen, abgewertet und in Schubladen gesteckt werden. Symbolisch dafür ist ein Schubladenschrank mit zwei Schubladen gezeichnet worden. Die obere Schublade ist geöffnet und hat die Aufschrift „Schlimm, Dumm oder Irre“.

Diese Wörter sowie Euphemismen, wie z. B. Menschen mit Handicap oder besonderen Bedürfnissen, werden mit Schimpfwörtern gleichgesetzt, wohingegen das Wort „behindert“ nicht weiter als negativer, sondern als neutraler Begriff bezeichnet wird.

Der Begriff Ableismus muss bekannter gemacht werden, da durch ihn schlechtere Chancen, Gewalt und Armut gegenüber Menschen mit Behinderungen gefördert werden. Gleichzeitig müssen Menschen mit Behinderungen empowert werden.

Ebenfalls links befindet sich das Grußwort von der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, Frau Annetraud Grote. Auf ihrem Porträt trägt sie einen schwarzen Blazer und eine Kurzhaarfrisur.

Frau Grote betont, dass sie so lange über Inklusion rede, bis sie es nicht mehr erklären muss. Denn Inklusion sei nicht das Sahnehäubchen, sondern die Torte selbst. Passend dazu wurde ein Tortenstück mit einer Sahnehaube gezeichnet.

Weiter führt Frau Grote aus, dass Inklusion eine Pflicht ist. Barrieren müssen abgebaut und Strukturen hinterfragt werden. Ableismus betrifft alle und versteckt sich im Alltag z.B. in der Sprache, in Blicken oder in Strukturen. Wenn der Fahrstuhl in Gebäuden ausfällt, fehlt Menschen mit Behinderungen der Zugang zur Demokratie.

Als letztes sagt Frau Grote, dass Humor hilft, aber Respekt hilft noch mehr. Stichwörter hierzu sind Zuhören und Handeln. Als Beispiele hierfür wurden Sprechblasen gezeichnet, in denen jeweils eine Frage steht: „Ist der Zugang Barrierefrei?“, „Gibt es Infos in leichter Sprache?“ und „Können Betroffene mitentscheiden?“.

Als Appell gibt Annetraud Grote mit, Inklusion zu leben und Ableismus abzubauen.

Rechts neben den Grußwörtern befindet sich die Zusammenfassung des Beitrages von Mareice Kaiser mit dem Titel „Bist du Behindert oder was?“ Mareice Kaiser wird mit schulterlangem Haar und einem rot weißen Haarreif dargestellt.

Die zentrale Frage ihres Fachvortrags ist, was Ableismus ist und warum wir mehr Inklusion brauchen. Die Antwort darauf ist, dass durch Inklusion ein gutes Leben für alle möglich ist.

Mareice Kaiser berichtet über ihren Blog „Kaiserinnenreich“, den sie nach dem Tod ihrer Tochter gründete. Illustriert ist ein Grabstein mit der Inschrift „Meine Tochter 4 Jahre“. Daneben finden sich ein Tablet und ein Smartphone. Das Tablet ziert eine Krone passend zu dem Blog. Das Smartphone zeigt einen Totenkopf sowie die Aufschrift „Viel Kritik und Hass“ von dem Mareice Kaiser berichtet, nachdem ihre Tochter verstorben ist und sie den Blog eröffnet hat. Über dieser Darstellung schwebt eine Seifenblase, die von einer Gehhilfe zum Platzen gebracht wird mit dem Titel „Blase der Normalität“.

Als „Normschön“ gelten in der Regel „weiße und reiche Menschen.“ Oft wird über sie gesagt, dass diese Menschen es „besser“ hätten. Als Gegensatz zu diesem Narrativ wird der Leitspruch der internationalen Behindertenbewegung „Nichts über uns – ohne uns!“ wichtig, denn wer bestimmt was „normal“ ist?

Ableism Kills. Mareice Kaiser berichtet darüber, dass 2021 vier Menschen mit Behinderungen in Potsdam getötet wurden und dass jede zweite Frau mit Behinderungen sexualisierte Gewalt erlebt.

Glück ist das Gegenteil von Gerechtigkeit. Eine endlos lange Reihung von Quiches befindet sich auf dem Graphic Recording in Anlehnung an die Erinnerung von Arthur Hackenthal, die Mareice Kaiser aus ihrem Buch „Bist du behindert oder was?“ vorliest: „Ich hatte eine Schulhelferin und später haben wir nur Quiches gemacht – immer! Meine Mutter wollte mich – trotz Downsyndrom. Ich wünsche mir mehr Barrierefreiheit! Wir sind Teil dieser Welt!“

Besonders in Kitas wird Inklusion gefordert, Exklusion sei aber die Praxis. Björn Höcke (AfD) sagt sogar, dass Menschen mit Behinderungen Belastungsfaktoren seien und raus aus der Regelschule sollten. Auch in den Werkstätten für behinderte Menschen herrscht nach Kaiser eine Art „Sonderwelt.“ Für 1,50 Euro die Stunde arbeiten reicht nicht für ein gutes Leben. Der Appell von Mareice Kaiser ist Haltung und Solidarität zeigen: „Wer mehr Inklusion will, muss für Demokratie und gegen Rechtsextremismus kämpfen!“

Mittig des Bildes ist der Poetry Slam von Ninia La Grande mit dem Titel „Mensch ist mehr. Du bist mehr.“ dargestellt. Sie trägt eine schwarze Baskenmütze, eine Brille und einen gelben Pullover.

Der Poetry Slam behandelt Ableismus und erzählt von dem immer kleinen trotzdem, dem immer wieder erklären und dem immer wieder übersehen werden. Ableismus fördert behindertenfeindliche Strukturen und die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Sie werden durch ihn systematisch abgewertet.

Ableismus stammt vom englischen Wort „ability“ (zu Deutsch „Fähigkeit“) ab und reduziert Menschen mit Behinderungen auf ihre Einschränkungen.

Ergänzend dazu ist ein Bild von insgesamt zehn Personen gezeichnet worden. Einige von ihnen haben sichtbare Behinderungen. Zwei Personen halten ein Schild mit der Aufschrift „Voll Normal“ hoch. Eine Person sagt „Ich will selbst entscheiden!“ und eine weitere Person sagt „Ich will keine Fürsorge!“ Auf insgesamt drei Kleidungsstücken stehen „Mad Pride“, „Vielfalt“ und „Let’s redefine normal“.

Im rechten Bildabschnitt ist die Diskussionsrunde dargestellt. Frau Grote eröffnet diese mit einer Antwort auf die Frage, warum Ableismus so unbekannt ist. Ableismus ist ein neuer Ausdruck, der genau das beschreibt, was er ist. Aber Ableismus ist kein griffiger Begriff. Auch das Alternativwort „Teilhabe“ ist „unsexy“. Behinderungen verunsichern immer noch viele Menschen oder sie haben davor Angst.

Auf die Frage nach Handlungsmöglichkeiten und Strategien antwortet Frau Grote, dass Menschen mit Behinderungen sichtbar und laut werden müssen. Darüber hinaus aber die Gesellschaft auch Haltung zeigen müsse. Gleichstellungsgesetze und Institutionen müssten genutzt werden.

Wo begegnet uns Ableismus im Alltag?

Ninia La Grande antwortet darauf, dass wir Ableismus verinnerlicht haben. Er sei ein strukturelles Problem und begegne Menschen mit Behinderungen täglich. Das Problem liege in der Leistungsgesellschaft des Kapitalismus, aber auch in den „Sonderwelten“ wie z. B. Werkstätten.

Zur Frage nach den Stärken, Fähigkeiten und Perspektiven sagt Ninia La Grande, dass Menschen mit Behinderungen eine grandiose Community sind, die Resilienz zeigen. Diverse Teams seien erfolgreicher und kreativ. Sogenannte „normale“ Menschen verpassten Leben!

Die nächste Frage beschäftigt sich mit Kindern und wie mit Ihnen über Behinderungen gesprochen werden kann. Passend dazu wurde ein Kind gezeichnet, das auf etwas zeigt. Dazu sagt es „Mama, was hat die arme Frau?“ Mareice Kaiser antwortet darauf: „Mit Respekt!“ – Eltern sollten sich mit dem Thema beschäftigen.

Auf Nachfrage zu konkreten gesellschaftlichen Schritten, ist Konsens, dass alle für Inklusion kämpfen, Bewusstsein schaffen und Haltung zeigen müssen.

Formulierungen wie „blinder Fleck“, „doof“, „verrückt“, „irre“, „geisteskrank“, „der/die Behinderte“ und „Handicap“, das sich aus dem Englischen für „betteln“ ableitet, sollten vermieden werden. Frau Grote merkt aber auch an, dass man manchmal ein bisschen milder sein sollte.

Abschließend wurden noch Fragen und Wünsche aus dem Publikum besprochen. Es wünscht sich, dass zum einen Beschwerdestellen sichtbarer gemacht werden. „Mut machen“ lautet das Motto und soll Menschen bestärken, sich öfter und entschlossener gegen Diskriminierung einzusetzen und diese auch anzuzeigen.

Besonders fehlten Anzeigestellen für Diskriminierung. Darüber hinaus tue die Politik zu wenig, um die Rechte von Menschen mit Behinderungen durchzusetzen.

Auch sollten Menschen nicht mehr nach ihrer Leistung bemessen werden. Vor allem der Lohn in Werkstätten und das Bürgergeld seien schlecht. Auf dem Bild wird er dargestellt als ein Kothaufen.

Abschließend finden viele es schade, dass immer noch über Inklusion gesprochen werden muss.


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