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„Vorbereitungen mit Blick auf das Coronavirus“

Landtagsunterrichtung der Niedersächsischen Sozialministerin Dr. Carola Reimann


Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 29.01.20


– Es gilt das gesprochene Wort –

„Im Moment blicken alle mit Beunruhigung auf die Entwicklung in China. Wir beobachten das dortige Geschehen sehr aufmerksam. Sowohl für die Einschätzung der Lage als auch für die Abstimmung der einzuleitenden Maßnahmen stehen wir in ständigem Kontakt mit den Bundesbehörden und den anderen Bundesländern. Hierfür finden derzeit Telefonkonferenzen auf unterschiedlichen Ebenen statt.

Die hauptsächlich betroffene Region ist nach wie vor die Provinz Hubei. Aber auch in anderen Provinzen Chinas und außerhalb des Landes sind Erkrankungsfälle aufgetreten –inzwischen weltweit.

Wie Sie sicherlich wissen, ist das Virus auch in Deutschland angekommen. In Bayern sind aktuell vier Fälle bekannt geworden, die alle vier im Zusammenhang mit einem Kontakt zu einem später aufgetretenen Erkrankungsfall aus China stehen.

In Niedersachsen haben wir inzwischen Patientinnen und Patienten, bei denen die zuständigen Gesundheitsämter sichergehen wollen und die Proben auf das Coronavirus überprüfen lassen. Bisher gibt es jedoch noch keinen positiven Befund.

Wir müssen dieses Infektionsgeschehen sehr ernst nehmen und alles Erforderliche tun,um die Ausbreitung zu begrenzen. Und an den ersten Coronavirus-Fällen in Bayern zeigt sich, dass diese Erkrankung bisher milde verlaufen. Aber: Es gilt jetzt, sachlich und besonnen zu handeln.

Ich habe mich gestern im Landesgesundheitsamt und im Gespräch mit dessen Präsidenten Dr. Matthias Pulz über den Stand der Vorbereitungen informiert. Wir sind hier in Deutschland und Niedersachsen gut vorbereitet!

Mir sind mit Blick auf ein solches Infektionsgeschehen die „drei I“ besonders wichtig:

- Identifizieren,

- Isolieren,

- Informieren (der Kontaktpersonen).

Für das Identifizieren ist eine gute, schnelle Diagnose notwendig. Vor diesem Hintergrund freut es mich sehr, dass im Landesgesundheitsamt seit gestern eine Labordiagnostik für das Coronavirus zur Verfügung steht.

Proben müssen jetzt also nicht mehr ausschließlich nach Berlin an die Charité geschickt werden, sondern seit gestern können wir die zur Identifizierung des Coronavirus‘ erforderliche Diagnostik auch hier in Hannover vornehmen. Das bringt einen Zeitgewinn,wir können hier in Niedersachsen jetzt schnell handeln. Die frühzeitige Diagnostik ist ein entscheidender Schlüssel zur Erforschung dieses neu aufgetretenen Erregers.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass diese Labordiagnostik so schnell am NLGA etabliert werden konnte. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesgesundheitsamtes für das Engagement.

Wir werden heute und in den kommenden Tagen auch noch Gespräche mit den in diesem Zusammenhang wichtigsten Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitsbereich führen, um die Abläufe für eine Ausbreitung des Coronavirus im Detail abzustimmen.

Natürlich spielen hier u.a. die Gesundheitsämter, die Ärztinnen und Ärzte, die Krankenhäuser und das Rettungswesen eine zentrale Rolle.

Wir haben hier in Niedersachsen bereits Abläufe und Erreichbarkeiten für den Fall eines größeren Infektionsgeschehens vorbereitet. Das Management eines Verdachts- oder Erkrankungsfalls ist den niedersächsischen Gesundheitsbehörden bekannt, Schutzmaßnahmen – wie die Isolierung eines Infizierten und die Ermittlung von Kontaktpersonen – können schnell eingeleitet werden.

Wir stehen in Zusammenhang mit dem aktuellen Infektionsgeschehen in ständigem Kontakt mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Robert-Koch-Institut. In einer Telefonschalte mit den Ministerinnen und Ministern der anderen Bundesländer, sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, haben wir gestern festgelegt, dass im Rahmen des Infektionsschutzes erhöhte Anforderungen, insbesondere an den Flugverkehr gestellt werden: In aus China kommenden Flugzeugen müssen z.B. künftig die Erreichbarkeit der Passagiere für die Zeitspanne eines Monats und ihr Sitzplatz erfasst werden, damit im Falle eine Coronavirus-Falls die Kontaktpersonen gefunden und isoliert werden können. Piloten sollen über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere informieren. Das Infektionsmanagement an den internationalen Flughäfen ist in meinen Augen von großer Bedeutung.

Für die Bürgerinnen und Bürger kann ich Ihnen mitteilen: Bisher gibt es keine Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland. Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, empfehle ich allen eine gute Handhygiene. Also z.B. nach dem Naseputzen die Hände zu waschen. Auch die Einhaltung der Husten- bzw. Nies-Etikette ist wichtig, also das Husten in ein unbenutztes Taschentuch oder zumindest in die Armbeuge, nicht in die Hand. Man kann diese einfachen Hinweise nicht oft genug wiederholen.

Die Möglichkeit, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist derzeit nur gegeben, wenn eine Bürgerin bzw. ein Bürger sich zuvor in einem der Verbreitungsgebiete des Coronavirus aufgehalten hat oder direkten Kontakt mit einem Coronavirus-Infizierten hatte.

Wer meint, dass diese Kriterien auf ihn zutreffen und entsprechende Symptome zeigt, sollte zunächst von zu Hause telefonisch eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren und abklären lassen, ob es sich wirklich um einen Verdachtsfall nach der Definition des Robert-Koch Instituts handelt.

Die Lageeinschätzung wird auf der Grundlage internationaler und nationaler Erkenntnisse ständig aktualisiert. Der Öffentlichkeit empfehle ich, sich in erster Linie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts, www.rki.de, zu informieren. Diese Informationen sind durch die internationalen Kontakte und durch den Austausch mit den Bundesländern immer aktuell. Wir weisen auf der Seite des Landesgesundheitsamtes darauf hin und werden laufend Informationen für Niedersachsen ergänzen. Hier gibt es fachlich gesicherte Informationen.

Sie werden als Abgeordnete von vielen Menschen persönlich kontaktiert und gefragt. Mir ist es daher wichtig, dass Sie aktuell informiert werden. Ich habe daher meine Fachabteilung gebeten, dem Sozialausschuss die fortlaufende Unterrichtung über die aktuellen Entwicklungen anzubieten.“

Presseinformationen
Artikel-Informationen

29.01.2020

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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