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Sozialministerin will Notfallversorgung in Niedersachsen verbessern - Portalpraxen an Kliniken und digitales Rettungssystem sollen ausgebaut werden

Dr. Carola Reimann: „Notfälle müssen schneller und an der besten Anlaufstelle versorgt werden - Niedersachsen kann hier Vorreiter sein“


Im Notfall kommt es oftmals auf jede Minute an - andererseits sorgen immer wieder stundenlange Wartezeiten in vollen Notaufnahmen für Verärgerung bei Patientinnen und Patienten. Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann will daher die Notfallversorgung in Niedersachsen optimieren. Zwar müssen entscheidende Weichenstellungen im Bund erfolgen, aber auch das Land, Krankenhäuser und Rettungswesen haben Möglichkeiten, die Abläufe zu verbessern. Dazu zählen die Einführung von Portalpraxen für Notfälle an Kliniken und die Einführung einer digitalisierten Abstimmung der Akteure im Rettungsdienst. „Bürgerinnen und Bürger, die schnelle Hilfe in Notfällen benötigen, sollen diese auch entsprechend schnell bekommen“, sagt Niedersachsens Sozialministerin, „entscheidend dafür ist, dass die Patientinnen und Patienten unter Zuhilfenahme neuer digitaler Entwicklungen ohne Umwege an die richtige Stelle in Niedersachsens Gesundheitsversorgung geleitet werden.“ Es gehe darum, lange Wartezeiten in überfüllten Notaufnahmen abzubauen. Modellprojekte, die in Niedersachsen bereits laufen, sollen Vorbild für landesweite Strukturverbesserungen sein. Dr. Reimann: „Notfälle werden dort schneller und an der besten Anlaufstelle versorgt - Niedersachsen kann hier Vorreiter sein.“

Gesundheitsministerin Carola Reimann kündigt drei zentrale Schritte zur Verbesserung der Notfallversorgung an:

  • Die Schaffung neuer gemeinsamer Portalpraxen von Kliniken und ärztlichem Bereitschaftsdienst, so dass Patientinnen und Patienten bei Notfällen außerhalb der Öffnungszeiten von Praxen eine zentrale Anlaufstelle haben. In Braunschweig und Hannover laufen bereits Projekte mit Modellcharakter, die anderen Regionen als Vorbild dienen könnten, so Dr. Reimann.

  • Den landesweiten Ausbau des webbasierten Notfallsystems IVENA, über das alle Beteiligten in der Leitstelle, in den Krankenhäusern und auf den Rettungswagen miteinander vernetzt sind und ohne Zeitverzug die bestmögliche Anlaufstelle für den jeweiligen Notfall vereinbaren können. IVENA läuft bereits erfolgreich in großen Regionen Niedersachsens wie Hannover, Oldenburg und Osnabrück. „Die Digitalisierung eröffnet uns neue Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung, von denen Patientinnen und Patienten direkt profitieren“, sagt Niedersachsens Gesundheitsministerin.

  • Die Investitionsmittel des Landes für Krankenhäuser werden gezielt in eine Verbesserung der Versorgung der Patientinnen und Patienten gelenkt. Seit 2017 hat das Land 57 Förderbescheide im Umfang von 665 Mio. Euro für Krankenhaus-Investitionsprojekte in Niedersachsen ausgestellt und somit gemeinsam mit den Kommunen die Förderung stark erhöht. Damit verbessert sich auch die Notfallversorgung. Eine Erweiterung, Sanierung und Optimierung von Zentralen Notaufnahmen erfolgte beispielsweise in Lüneburg mit weiteren 11,4 Mio. €, in Papenburg mit 6,3 Mio. €, in Buxtehude mit 14,5 Mio. € und in Wilhelmshaven mit einem vollständigen Neubau und 99 € Mio. € Förderung.

Menschen, die von einem Notfall ausgehen, suchen oftmals direkt ein Krankenhaus auf und ziehen einen Besuch des für ambulant zu behandelnde Notfälle zuständigen Bereitschaftsdienstes der niedergelassenen Ärzte nicht in Betracht. Das führt immer wieder zu überfüllten Notaufnahmen der Kliniken. Bei Portalpraxen haben sich die Bereitschaftsdienstpraxis und die Notfallambulanz an einem Standort angesiedelt - Ärztinnen und Ärzte prüfen gleich zu Beginn, ob es sich um einen stationär zu behandelnden Notfall handelt oder ob eine ambulante Behandlung im Bereitschaftsdienst ausreichend ist. So werden die Patientinnen und Patienten unbürokratisch an die richtige Stelle geleitet, ihnen wird schneller geholfen.

In Braunschweig wurde zum Beispiel das Modellprojekt einer „hausärztlichen Erstbegutachtung“ in einer im Klinikgebäude angesiedelten Notfall-Triage-Praxis entwickelt. Die Wartezeit für Patientinnen und Patienten, deren Behandlung weniger dringlich ist, hat sich damit deutlich verringert. Ein weiteres Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) existiert an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Es gibt also bereits Erfahrungen und Ergebnisse aus Hannover und Braunschweig, auf die wir aufbauen können“, sagt Ministerin Carola Reimann. Sie erwarte, dass auch der Bund dieses Thema aufgreifen und Vorschläge für eine gemeinsame Sicherstellung der Notfallversorgung von Krankenhausgesellschaften und Kassenärztlichen Vereinigungen in gemeinsamer Finanzverantwortung vorlegen werde. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die dazu erforderlichen gesetzlichen Neuregelungen im Dialog zwischen Bund und Ländern zügig auf den Weg bringen werden“, erklärt Niedersachsens Sozialministerin.

Angeregt vom Niedersächsischen Sozialministerium haben bereits die Träger des Rettungsdienstes und die Krankenhäuser in den Regionen Hannover, Oldenburg und Osnabrück das webbasierte System IVENA für die Koordination im Fall von Notrufen eingeführt. Inzwischen sind auch die Landkreise und kreisfreien Städte Rotenburg, Heidekreis, Schaumburg, Nienburg, Verden, Vechta, Emsland, Grafschaft Bentheim, Wilhelmshaven und Wittmund dabei. IVENA ist ein webbasiertes Notfallmanagementsystem, das bei den Rettungsleitstellen, den Rettungswagen und den Krankenhäusern installiert ist und somit allen Beteiligten die wichtigsten Informationen zur Verfügung steht. Im Notfall melden die Rettungsleitstellen und die Rettungswagen über das System die Patientin oder den Patienten an. Die Krankenhäuser melden fortlaufend, wie viele Aufnahmekapazitäten sie aktuell haben ─ und welche Diagnose- und Behandlungsmethoden aktuell nicht möglich sind. So können Patientinnen und Patienten ohne lange vergebliche Irrwege in das nächste geeignete Krankenhaus eingeliefert werden ─ das reduziert Fahrtzeiten und spart Zeit, die für Patienten entscheidend sein kann. Ministerin Carola Reimann erklärte es zum Ziel, nach dem vielversprechenden Start in wichtigen niedersächsischen Regionen IVENA künftig nach Möglichkeit landesweit zu etablieren.

„Überfüllte Notaufnahmen und überlastete Ärztinnen und Ärzte sind leider immer wieder Alltag in vielen Krankenhäusern, besonders während einer Grippewelle, wie sie jetzt zu Ende geht“, erklärt Niedersachsens Sozialministerin, „ich bin überzeugt davon, dass unsere Maßnahmen zu einer Entzerrung beitragen. Davon profitieren alle Beteiligten, insbesondere die Patientinnen und Patienten, die schnelle Hilfe benötigen“.

Presseinformationen
Artikel-Informationen

13.04.2018

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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