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Honorarkürzungen bei Psychotherapie: Landespatientenschutz Niedersachsen warnt vor Verschärfung der Versorgungssituation

Der Landespatientenschutz Niedersachsen kritisiert die geplante Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen und warnt vor möglichen Folgen für Patientinnen und Patienten.

„Viele Menschen warten heute bereits monatelang auf einen Therapieplatz. In einer solchen Situation über Honorarkürzungen zu sprechen, setzt ein völlig falsches Signal“, erklärt die Landespatientenschutzbeauftragte Dr. Nicole Sambruno Spannhoff.

Psychische Erkrankungen gehören seit Jahren zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen. Gleichzeitig ist der Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung für viele Betroffene schwierig. Patientinnen und Patienten berichten immer wieder, dass sie zahlreiche Praxen kontaktieren müssen, bevor überhaupt ein Erstgespräch zustande kommt. Nicht selten vergeht viel Zeit – teilweise Monate – bis eine Behandlung tatsächlich beginnen kann. Gerade für Menschen in psychischen Krisensituationen kann diese Suche nach Hilfe zu einer erheblichen zusätzlichen Belastung werden. Eine frühzeitige therapeutische Unterstützung ist jedoch häufig entscheidend, um eine Verschlimmerung der Erkrankung zu verhindern.

„Von den geplanten Honorarkürzungen wären vor allem die gesetzlich Versicherten betroffen“, erklärt Sambruno Spannhoff. „Sie können auf private Zusatzleistungen nur selten ausweichen und sind deshalb besonders auf eine verlässliche kassenfinanzierte Psychotherapie angewiesen. Jede Einschränkung der Vergütung droht, die ohnehin langen Wartezeiten zu verlängern und den Zugang zu dringend benötigter Behandlung zusätzlich zu erschweren. Wer in einer psychischen Krise Hilfe sucht, braucht Unterstützung – und zwar möglichst schnell“, so die Landespatientenbeauftragte weiter. „Lange Wartezeiten können dazu führen, dass sich Erkrankungen verschärfen und Betroffene noch tiefer in eine Krise geraten.“

Die Landespatientenschutzbeauftragte weist zudem darauf hin, dass der Bedarf an Unterstützung für die psychische Gesundheit in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Gesellschaftliche Krisen, steigende Belastungen im Alltag sowie die Anforderungen der modernen Arbeitswelt hinterlassen bei vielen Menschen Spuren. Gleichzeitig wird gefordert, dass Menschen länger gesund arbeiten, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und leistungsfähig bleiben sollen.

„Wenn wir erwarten, dass Menschen länger arbeiten, Verantwortung übernehmen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, dann müssen wir auch ihre psychische Gesundheit ernst nehmen“, betont Sambruno Spannhoff. „Eine stabile psychische Gesundheit ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Vor diesem Hintergrund sieht die Patientenbeauftragte die aktuelle Debatte über Honorarkürzungen besonders kritisch.

„Gerade jetzt brauchen wir ein klares Signal für den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung – nicht für Kürzungen“, erklärt die Landespatientenbeauftragte. „Menschen stehen bereits heute unter enormem Druck. Wer in dieser Situation ausgerechnet bei der psychischen Versorgung spart, riskiert langfristig noch größere Probleme für Betroffene und für unsere Gesellschaft insgesamt.“ Daher sollte der Fokus darauf liegen, die Versorgungssituation spürbar zu verbessern und Wartezeiten zu verkürzen.

„Wir müssen darüber sprechen, wie wir Therapieangebote optimieren und den Zugang zur Behandlung erleichtern – nicht darüber, wie in einem ohnehin angespannten Bereich eingespart werden kann“, so die Landespatientenbeauftragte Niedersachsen abschließend.

Kontakt:

Die Landespatientenschutzbeauftragte, Postfach 141, 30001 Hannover, Telefon 0511 120-4013, E-Mail patientenschutz@ms.niedersachsen.de

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erstellt am:
16.03.2026

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