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1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt: „Auch ländlicher Raum ist keine risikofreie Zone“


Junge Menschen sind Risikogruppe – Ministerin Rundt mahnt zur Vorsicht: „Der Virus kennt keine Altersgrenzen“ – Aids ist nicht nur ein Problem der Großstädte

Anlässlich des Welt-Aids-Tags an diesem Sonntag, 1. Dezember, mahnt Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin, die Gefahr der Infektion mit dem HIV-Virus weiterhin ernst zu nehmen. Beunruhigend seien besonders die steigenden Infektionszahlen im ländlichen Raum und unter jungen Menschen.

Nach jüngsten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für das Jahr 2012 leben bundesweit rund 78.000 Menschen mit dem HI-Virus. 14.000 davon wissen nicht, dass sie infiziert sind. 3.400 Menschen haben sich neu mit dem Erreger angesteckt. In Niedersachsen leben ungefähr 4.400 Menschen mit HIV/AIDS, etwa 210 Personen haben sich neu infiziert. Das Hauptrisiko, sich mit HIV zu infizieren, tragen nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben (‚MSM’). Ihr Anteil an den Infizierten liegt hier bundesweit bei ca. 51.000, in Niedersachsen bei ca. 2.500. MSM-Neuinfektionen werden bundesweit auf ca. 2.500 geschätzt, in Niedersachsen ca. 140.

„Große Sorge bereitet uns, dass vor allem schwule junge Männer und Männer in ländlichen Regionen das Infektionsrisiko falsch einschätzen“, sagt Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt aus Anlass des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember. Für Männer in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen sei HIV/AIDS ein Infektionsrisiko, das sie überwiegend mit älteren MSM in Verbindung bringen. „Das ist trügerisch. Denn der Virus kennt keine Altersgrenzen“, betont Ministerin Rundt. Auch der ländliche Raum sei keineswegs mehr eine risikofreie Zone, so Rundt. „Onlineportale erleichtern es Menschen in ländlichen Regionen, schnell miteinander in sexuellen Kontakt zu kommen. Nicht immer wird dabei an einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gedacht. Zu glauben, dass HIV nur in Großstädten oder Metropolen vorkommt, kann fatale Folgen haben“, warnt die Ministerin.

Vor diesem Hintergrund bieten die niedersächsischen AIDS-Hilfen – gefördert durch die Niedersächsische Landesregierung – Präventionsprogramme von und für unterschiedliche Zielgruppen. „Die wichtige und erfolgreiche Zusammenarbeit wollen wir fortsetzen. Ich freue mich daher, dass die Landesregierung und die Regierungsfraktionen die jährlichen Fördermittel von zuletzt 1.463.000 Euro im Jahr 2013 um 150.000 Euro auf insgesamt 1.613.000 Euro erhöhen wollen“, sagt Ministerin Rundt. Einen entsprechenden Antrag habe der Ausschuss für Haushalt und Finanzen des Landtages am 27.11.2013 beschlossen.

Aktuelle Präventionsprojekte in Niedersachen:

„SVeN – schwule Vielfalt erregt Niedersachsen“

In Niedersachsen wurde unter dem Dach der Niedersächsischen AIDS-Hilfen (NAH) im März dieses Jahres der Startschuss für die Initiative „SVeN – schwule Vielfalt erregt Niedersachsen“ gegeben und das Online-Portal www.sven-kommt.de frei geschaltet. „SVeN“ ist ein landesweites Präventionsnetzwerk in Trägerschaft der NAH. Zielgruppe sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Das Land Niedersachsen unterstützt die Einführung der Initiative in diesem Jahr mit 15.000 Euro aus Projektmitteln.

Erreicht werden zunehmend auch junge MSM. Mit „SVeN“ wurde die im Jahr 2000 gestartete Initiative „hin und wech – Schwule lieben in Niedersachsen“ (huw) weiterentwickelt, inhaltlich und strukturell neu ausgerichtet, auf eine breitere Basis gestellt und besser mit der schwulen Community vernetzt. Die Arbeit wird landesweit unter einem gemeinsamen Label durchgeführt. Dem eigens hierfür gegründeten Fachbereich sind mittlerweile 30 Gruppen und Organisationen beigetreten. Die NAH hat insbesondere mit Blick auf die ländlichen Strukturen neben der landesweiten Koordination sechs regionale Koordinationsstellen (angegliedert an die Aidshilfen in Braunschweig, Göttingen, Lüneburg, Osnabrück und Wilhelmshaven sowie an das Gesundheitsamt in Emden) eingerichtet und diese mit jungen schwulen Männern besetzt. Darüber hinaus lebt die Initiative von einem großen ehrenamtlichen Engagement zahlreicher, meist ebenfalls junger Helfer. Niedersachsen nimmt mit dieser Initiative bundesweit eine Vorreiterrolle ein.

„BAOBAB“

Migrantinnen und Migranten, insbesondere aus Afrika, haben einen dringenden Bedarf an Informationen zu ihrer Gesundheit. Vor allem bei der Aufklärung über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen besteht ein ebenso großer Mangel als auch ein hohes Interesse. Ein überregionales, landesweites Angebot für Migrantinnen und Migranten gibt es aber bisher nicht. Mit dem auf zwei Jahre angelegten Modellprojekt „BAOBAB“ will die Niedersächsische AIDS-Hilfe gegensteuern. Die Landesregierung fördert das Projekt mit 29.900 Euro.

Das Projekt ist als zweijähriges Modellprojekt geplant. Es richtet sich vor allem an Menschen aus der Region südlich der Sahara. Grundlage ist der „Peer-to-peer”-Ansatz (voneinander auf Augenhöhe lernen), nach dem das Projekt von Menschen aus der Community für Menschen aus der Community umgesetzt wird. Trägerin des Projekts ist die Niedersächsische AIDS-Hilfe. Sie stellt neben der personellen Anbindung an ihre Räumlichkeiten auch ihre Infrastruktur als Landesverband bereit, übernimmt die Koordination des Projektes und gewährleistet die Verwaltung der Finanzen.

Einbezogen in die Projektentwicklung und -gestaltung werden lokale Kooperationspartnerinnen und -partner wie das Ethnomedizinische Zentrum, eine Mitgliedsorganisation der Niedersächsischen AIDS-Hilfe, sowie Ärztinnen und Ärzte, Beratungseinrichtungen und Gesundheitsämter, die eine transkulturelle Ansprechpartnerin bzw. einen transkulturellen Ansprechpartner für HIV-Gesundheitsfragen erhalten sollen.

Presseinformationen Bildrechte: Land Niedersachsen

Artikel-Informationen

erstellt am:
29.11.2013

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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