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„Erkenntnisse zu Krebserkrankungen in Rodewald“

Antwort der Landesregierung auf die Mündliche Anfrage



Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt hat namens der Landesregierung auf eine Mündliche Anfrage des Abgeordneten Johann-Heinrich Ahlers (CDU) geantwortet.


Der Abgeordnete Johann-Heinrich Ahlers (CDU) hatte gefragt:

Nach einem Bericht des NDR gibt es in Rodewald eine auffällige Häufung von Leukämie-Fällen in den letzten Jahren. Danach seien innerhalb von zehn Jahren fünf Menschen unter 40 Jahren erkrankt, obwohl statistisch nur mit einem Fall zu rechnen gewesen wäre. Viele der Betroffenen lebten demzufolge in der Nähe des ehemaligen BEB-Betriebsgeländes oder hätten dort gelebt. Der Bericht stellt einen Zusammenhang zu aus der Erdölproduktion resultierenden Benzolwerten her, die im Boden und Grundwasser auf dem Gelände teilweise stark erhöht sein sollen. Aus dem NDR- Bericht geht ebenfalls hervor, dass sich die Gemeinde schon vor Jahren an den Landkreis gewandt habe, damals dort aber angeblich keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien.

1. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung aktuell zu Krebserkrankungen in Rodewald vor?

2. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung über Benzol und gegebenenfalls welche weiteren Schadstoffe in Boden und Grundwasser an welchen Messstellen in Rodewald?

3. Was unternimmt die Landesregierung gegebenenfalls, um schnellstmöglich Klarheit für die Menschen in Rodewald darüber zu schaffen, ob eine gesundheitliche Gefährdung weiterbesteht?

Ministerin Cornelia Rundt beantwortete die Anfrage namens der Landesregierung:

Die Landesregierung kennt den Bericht des NDR vom 21.09.2105 (Markt im Dritten) und hat dem Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz in der 58. Sitzung am 05.10.2015 zum Sachstand berichtet. Es liegt ein Anfangsverdacht auf eine Erhöhung der Leukämieerkrankungen in Rodewald, Samtgemeinde Steimbke, vor.

Dem Landkreis Nienburg (Weser) obliegt die Beobachtung, Untersuchung und Bewertung einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch die Umwelt (§ 6 des Niedersächsischen Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst). In diesem Rahmen wird er eine sogenannte Krebscluster-Untersuchung durchführen. Dabei wird er von Landesseite sowohl vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) wie vom Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) unterstützt werden. Bereits angekündigt ist, dass im Rahmen der Untersuchungen Anfragen an das EKN wie auch an das Deutsche Kinderkrebsregister für entsprechende Sonderauswertungen gestellt werden sollen. Der Bericht zu einer beim EKN nachgefragten Sonderauswertung wird erfahrungsgemäß etwa drei bis sechs Monate nach Antragstellung vorliegen.

Zu 1.:

Der Landesregierung ist der Anfangsverdacht auf eine Erhöhung der Krebserkrankung Leukämie bekannt. Die noch im Einzelnen zu konkretisierenden Datenauswertungen im Rahmen der Krebscluster-Untersuchung werden zeigen, ob sich der Anfangsverdacht bestätigt.

Zu 2.:

Im Jahre 2013 wurde auf dem ehem. BEB-Betriebsgelände Suderbruch eine Detailuntersuchung durchgeführt.

Die vorliegenden Grundwasser- und Bodenbelastungen konnten über die umwelttechnischen Untersuchungsarbeiten horizontal und vertikal gegen unbelastete Bereiche abgegrenzt werden. Die auskartierten Schadensbereiche sind auf das ehemalige Betriebsgelände begrenzt. Festgestellt wurde eine Belastung durch Monoaromaten (BTXE), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Weitere Schadstoffe, die im Zusammenhang mit dem Betriebsplatz stehen könnten, wurden nicht festgestellt.

Es wurden die Wirkungspfade „Boden - Mensch“, „Bodenluft - Mensch“, „Boden - Nutzpflanze“ und „Boden - Grundwasser“ untersucht und bewertet. Für den Wirkungspfad „Boden - Grundwasser“ wurde ein Handlungsbedarf ermittelt, für die anderen Wirkungspfade ergab sich kein Handlungsbedarf. Aktuell erfolgt eine Sanierung in Bezug auf den Wirkungspfad „Boden - Grundwasser“ im Wesentlichen durch Bodenaustausch. Die Sanierungsarbeiten laufen noch. Boden- und Grundwasserbelastung außerhalb des ehemaligen Betriebsgeländes wurden bei Untersuchungen nicht festgestellt. Dies bestätigen auch die Brauchwasserbrunnen-Untersuchungen im Umfeld des Betriebsplatzes.

Zu 3.:

Wie unter 2. dargestellt, gaben die umfangreich vorliegenden Gutachten und Erkenntnisse dem Landkreis bisher keinen Anlass, eine aktuell bestehende Gesundheitsgefahr anzunehmen. Vor den neuen Fragen einer möglichen Erhöhung von Leukämieerkrankungen werden aber auch die bisherigen Einschätzungen noch einmal einer Überprüfung unterzogen.

Presseinformationen
Artikel-Informationen

15.10.2015

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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