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Spitzentreffen Fachkräfteinitiative: Landesregierung stellt ihre Fachkräftestrategie bis 2027 vor

Bei ihrem Treffen mit den Partnerinnen und Partnern der Fachkräfteinitiative Niedersachsen (FKI) am heutigen Dienstag in Hannover hat die Landesregierung ihre Fachkräftestrategie bis 2027 vorgestellt. Der ressort- und branchenübergreifende Handlungsplan nimmt die massiven Herausforderungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt durch Demografischen Wandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung in den Fokus.

Folgende Schwerpunktfelder werden prioritär in den Blick genommen:

• Die Stärkung der Beruflichen Ausbildung,

• der zielgerichtete Ausbau der Weiterbildung von Beschäftigten,

• eine stärkere Nutzung inländischer Potenziale (u. a. durch eine bessere Erwerbsbeteiligung von Frauen),

• das Thema Zuwanderung sowie die Gestaltung einer Anerkennungs- und Willkommenskultur sowie

• die Themen Arbeitsqualität, Arbeitskultur und die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit.

Die an der Fachkräftestrategie beteiligten Ministerien MS, MK, MU, MW, MKW und ML werden zusätzlich Initiativen in den Berufen und Branchen durchführen, in denen es in Niedersachsen aktuell die größten Engpässe gibt. Das Arbeits- und Sozialministerium wird ein Programm für Sozialberufe, insbesondere im Bereich Pflege und Gesundheit umsetzen. Beim Kultusministerium wird die Fachkräftesicherung in Erziehungsberufen weiterverfolgt und intensiviert. Das Umweltministerium wird federführend eine Fachkräfteinitiative für Energie- und Klimaberufe angehen. Das Wirtschaftsministerium hat die Federführung bei der Fachkräftesicherung in MINT-Berufen, im Handwerk, in der Verkehrs- und Logistikbranche sowie in der Tourismusbranche. Das Landwirtschaftsministerium verfolgt die Fachkräftesicherung in Berufen der Land-, Forst- und Hauswirtschaft und des Gartenbaus.

Am Regionalisierungsansatz der acht „Regionalen Fachkräftebündnisse“ hält die Landesregierung fest, um die Herausforderungen im Flächenland Niedersachsen regional anzugehen.

Die Basis der unter Federführung des Sozial- und Arbeitsministeriums erarbeiteten Fachkräftestrategie bildete eine Analyse der aktuellen und mittelfristigen Fachkräftesituation. Aktuell ist in Niedersachsen fast jeder und jede vierte Beschäftigte älter als 55 Jahre. In der Folge werden bis Mitte der 2030er Jahre rund 750 000 niedersächsische Beschäftigte aus dem Berufsleben ausscheiden. Im Oktober 2023 waren immer noch rund 77 000 Stellen unbesetzt. In immer mehr Regionen und Branchen tun sich zunehmend Lücken auf, im Handwerk, bei den Erziehungsberufen und in der Pflege. Zudem sind rund 4700 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben.

Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil erklärt: „Fachkräftemangel ist eines der größten Risiken für die Wirtschaft, aber auch für Staat und Verwaltung in Niedersachsen. Herzlichen Dank allen, die sich an der Entwicklung der Fachkräftestrategie beteiligt haben. Es sind gute Ideen zusammengetragen worden, jetzt kommt es darauf an, die Handlungsfelder der Fachkräftestrategie mit Leben zu füllen. Deshalb meine herzliche Bitte an alle Partnerinnen und Partner: bleiben Sie dabei und lassen Sie uns gemeinsam an einer Sicherung der Fachkräftebasis für eine starke niedersächsische Wirtschaft arbeiten.“

Die Kultusministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg sagt: „Unser gemeinsames Ziel ist es, allen jungen Menschen einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Daher treiben wir mit dem Bündnis Duale Berufsausbildung und dem Erlass von 2018 die berufliche Orientierung an den Schulen konsequent voran und werden hier weitere Freiräume öffnen. Zugleich sichern wir mit unseren Maßnahmen der Fachkräftesicherung in den Erziehungsberufen die Fachkräfte in anderen Berufen ab. Denn der Bedarf an Fachkräften wird besonders im Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern weiter steigen. Aus diesem Grund werden wir auch weiterhin attraktive Möglichkeiten der sozialpädagogischen Aus- und Weiterbildung an den berufsbildenden Schulen ausbauen.“

Für das Sozial- und Arbeitsministerium erläutert Staatssekretärin Dr. Christine Arbogast: „Gegen den Fachkräftemangel gibt es nicht die eine wirksame Maßnahme, sondern es müssen viele unterschiedliche Stellschrauben bewegt werden. Dazu haben wir in der Fachkräftestrategie der Niedersächsischen Landesregierung unsere zentralen Handlungsschwerpunkte sowie die Initiativen der aktuell besonders stark betroffenen Berufe und Branchen benannt. Eines von vielen Themen, die wir voranbringen wollen, ist beispielsweise, Frauen gesamtgesellschaftlich bessere Rahmenbedingungen zu bieten, um mehr in Vollzeit arbeiten zu können. Das bedeutet eine konsequente Gleichstellung in der Arbeitswelt mit Entgeltgleichheit, gleichen Karrierechancen und verlässlicher Kinderbetreuung. “

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums erklärt Staatssekretär Dr. Michael Marahrens: „Die Klimakrise ist da und schreitet voran. Die notwendige Klimafolgenanpassung in der Land- und Forstwirtschaft und im Gartenbau können wir nur mit Fachkräften voranbringen. Angesichts des demographischen Wandels sind auch Fachkräfte der Hauswirtschaft gefragt, die beispielsweise ältere Menschen im vorpflegerischen Bereich versorgen können.“

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer: „Um unsere ehrgeizigen Klimaziele in Niedersachsen zu erreichen, brauchen wir viele engagierte junge Menschen in den Energie- und Klimaberufen. Die Energie- und Klimaberufe sind nicht nur zukunftsgerichtet und sinnstiftend, sondern auch besonders vielfältig. Das kann eine Ausbildung im Handwerk sein oder ein Studium in einem MINT-Fach! Informieren Sie sich und werden Sie Teil der Energiewende und des Klimaschutzes.“

Olaf Lies, Niedersächsischer Wirtschaftsminister, zur Fachkräftestrategie:

„Ein Baustein zur Fachkräftegewinnung und unseres Masterplans Gute Arbeit ist, Arbeitsplätze durch Tarifverträge attraktiv zu gestalten. Niedersachsen muss ein Land der guten Arbeit werden, und deshalb arbeiten wir an einer Änderung des Tariftreue- und Vergabegesetzes, damit öffentliches Geld nur noch dort ausgegeben wird, wo es Tarifverträge und anständige Sozialstandards gibt. Das hilft auch Unternehmen, die händeringend nach Personal suchen, denn faire Bezahlung ist eine bessere Werbemaßnahme als jede Imagekampagne.“

Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur erklärt abschließend: „Das Thema der Fachkräftesicherung wird für die kommenden Jahre weiterhin sehr prägend sein. Neben der beruflichen Bildung leisten dabei die Hochschulen einen zentralen Beitrag, etwa in der Medizin oder den nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen sowie bei den Lehrkräften und im MINT-Bereich. Die Einrichtungen der Erwachsenenbildung sorgen zudem mit der vom Land finanzierten Sprachförderung dafür, Zuwanderinnen und Zuwanderern den Einstieg in Ausbildung, Arbeit oder Studium zu ermöglichen.“

Bei der Fortsetzung der Fachkräfteinitiative Niedersachsen und der Umsetzung der Fachkräftestrategie setzt das Land auf die etablierte Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktpartnerinnen und -partnern. Die Landesregierung wird die neu angestoßenen Aktivitäten in einem Zwischen- und Abschlussbericht veröffentlichen.

Der Austausch mit den Partnerinnen und Partnern der Fachkräfteinitiative Niedersachsen wird in weiteren Spitzentreffen fortgesetzt, in denen zum Zwischen- und Abschlussbericht diskutiert und Bilanz gezogen werden kann. Ein vertiefter fachlicher Dialog wird in regelmäßigen Lenkungsgruppensitzungen, in Formaten des „Bündnisses Duale Berufsausbildung“ sowie in themenbezogenen Arbeitsgruppen erfolgen.

Presseinformationen

Artikel-Informationen

erstellt am:
28.11.2023

Ansprechpartner/in:
Sebastian Schumacher

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