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Niedersachsen auf dem Weg aus der Pandemie? – Impferfolge sichern

Rede der Niedersächsischen Sozialministerin Daniela Behrens


Sitzung des Niedersächsischen Landtages am 07.07.2021, TOPs 15 und 16


– Es gilt das gesprochene Wort –

„Die Pandemie zeigt gerade ein freundliches Gesicht. Aber davon sollten wir uns nicht täuschen lassen. Die Pandemie ist nicht vorbei. Die Zahl der Neuinfektionen ist niedrig. Die Impfquote in Niedersachsen steigt. Über 7.5 Millionen Impfungen sind bis gestern in Niedersachsen verabreicht worden.

Doch eine Sache macht Sorgen: der Anteil der Neuinfektionen mit der Delta-Variante des Coronavirus steigt. Die Delta-Variante wird in Kürze die vorherrschende Variante sein.

Die vieldiskutierte so genannte vierte Welle, so sind sich alle in der Wissenschaft einig, wird kommen. Fraglich ist aber, um im Bild der Welle zu bleiben, wie hoch und wie stark sie ausfällt. Immunologen prognostizieren, dass COVID-19 sich in die Reihe der saisonalen Infektionskrankheiten einfügen werde. Ähnlich wie mit der jährlich wiederkehrenden Influenza werden wir uns mit COVID-19-Wellen und Auffrischungsimpfungen anfreunden müssen. Das wäre dann keine Pandemie mehr, sondern – ebenfalls wie bei der Influenza – eine endemische Verbreitung, die ihren Schrecken verliert.

Die gute Nachricht schon heute ist, dass alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe helfen gegen einen schweren Verlauf von Covid-19, ausgelöst durch die Delta-Variante des Coronavirus. Es gibt also keinen Grund zum Alarmismus. Sondern es gibt die Notwendigkeit zur Vorsicht und zur umsichtigen Planung, um im Herbst – wenn die Witterung wahrscheinlich die Virusverbreitung einfacher ermöglicht als jetzt – gut vorbereitet zu sein.

Und in Niedersachsen sind wir gut vorbereitet. Unser wichtigster Baustein ist selbstverständlich das Impfen. Unsere Impfkampagne schreitet sehr gut voran. Das ist gerade jetzt vor den anstehenden Sommerferien wichtig.

Die Impfstoffe sind inzwischen besser verfügbar. Die Teams in den Impfzentren und Arztpraxen arbeiten mit hohem Einsatz. Sie stellen sich immer wieder auf neue Herausforderungen ein – wie zum Beispiel die neueste geänderte Empfehlung der STIKO zur Kreuzimpfung. Zum Impfen gehört ein großer Beratungsbedarf. Die Menschen können mit geänderten Empfehlungen nicht einfach umgehen, und in den Arztpraxen und Impfzentren ist die Logistik der verschiedenen Impfstoffe nicht einfach von heute auf morgen umzustellen.

Die Wartelisten in den Impfzentren sind weitgehend abgearbeitet. Alle, die sich jetzt anmelden, werden sehr zeitnah ihre Impftermine erhalten. Insgesamt haben bereits fast 60 Prozent der Niedersächsinnen und Niedersachsen eine Impfung erhalten, knapp 38 Prozent sind schon vollständig geimpft.

Nun gilt es, die Menschen zu erreichen, die sich noch nicht um eine Impfung gekümmert haben. In den Impfzentren geht man mit unterschiedlichsten Aktionen vor. Das ist jetzt in den Juliwochen – mit Blick auf die bevorstehende Ferienzeit – wichtig. Unser Motto überall: Erst impfen, dann Ferien genießen.

Den vom RKI Anfang dieser Woche genannten Wert der Herdenimmunität von 85 Prozent halte ich für kaum erreichbar. 11 Prozent der Niedersachsen sind unter 12 Jahre, sie können noch gar nicht geimpft werden. Und 5,7 Prozent der Bevölkerung ist im Alter von 12 bis 18 Jahre. Dazu gibt es wenige, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, und einige, die eine Impfung ablehnen.

Unsere Strategie muss daher sein, auf die besondere Gruppen zu schauen und dort eine hohe Durchimpfquote zu erzielen. Hierzu gehören die vulnerablen Gruppen, die ein hohes Risiko haben, an einer Coronavirus-Infektion zu erkranken: die über 60-Jährigen.

Hierzu gehören die Bewohnerinnen und Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen.

Hierzu gehören die Beschäftigten und Tätigen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Kitas und Schulen. Durch eine hohe Impfquote in diesen Bereichen machen wir die anfälligsten Gruppen in unserer Gesellschaft sicher und pandemiefest.

In all diesen Gruppen haben wir eine hohe Impfquote erreicht. Nur ein Beispiel will ich nennen: die über 60-Jährigen sind inzwischen zu 87 Prozent erst- und zu 60 Prozent zweitgeimpft.

Unser Baustein Impfen bleibt der wichtigste. Derzeit bereiten wir den Umstieg der stationären Impfzentren in mobile Impfzentren für die Zeit ab Oktober vor. In Gesprächen mit den Kommunen und mit der KVN werden wir eine gute örtliche Unterstützungsstruktur aufbauen, die auch die kommunalen Gesundheitsämter in die Lage versetzt, mit Impfaktionen auf besondere Ereignisse zu reagieren.

Unser zweiter Baustein bleibt das Testen, vor allem in den Bereichen, in denen Kinder und Jugendliche sind. Sie gilt es zu schützen. Denn sie können sich nicht mit einer Impfung selbst schützen. Das Testkonzept an den niedersächsischen Schulen hat sich bewährt. Das Kultusministerium plant nach den Sommerferien den vollständigen Regelbetrieb. Die Landesregierung beobachtet das Infektionsgeschehen sehr genau und wird die Teststrategie in den Schulen für die Zeit nach den Sommerferien danach ausrichten. Und in den Kitas haben sich die anlasslosen Reihentestungen im Umfang von zwei Tests pro Woche aus Sicht des Infektionsschutzes bewährt.

Der dritte Baustein ist die Beherrschung der Infektionslage. Sie ergibt sich aus der konsequenten Nachverfolgung von Infektionsketten. Hier haben wir in den vergangenen Monaten in den Gesundheitsämtern viel gelernt. Die neue Herausforderung für den Herbst ist, kluge Parameter festzulegen, die die Infektionslage und deren Gefährlichkeit zeitnah abbildet.

Die Inzidenz bleibt ein Maßstab, die Belastung unserer Intensivstationen in den Krankenhäusern ein weiterer. Mit den Expertinnen und Experten in unserem Landesgesundheitsamt arbeiten wir derzeit an dem richtigen Maßstab für Herbst, beziehen selbstverständlich auch die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft mit ein.

Ansonsten: Die Maßnahmen, die wir umsetzen müssten, wenn die Infektionslage zu gefährlich wird, haben wir parat. Aus unserer Corona-Verordnung bzw. unserem Stufenplan sind notwendige Beschränkungen bestimmter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bereiche im Falle der Fälle abzuleiten.

Zum jetzigen Zeitpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnislage gehe ich davon aus, dass wir mit einer weiterhin steigenden Impfquote stark einschränkende Maßnahmen im Herbst 2021 nicht mehr anwenden müssen.

Hygieneschutz- und Abstandsregelungen sowie die Maske möchte ich als letzten Baustein nennen. Sie werden sicherlich bis zum Ende des Jahres wichtig bleiben. Gerade die Maske ist ein Kernelement des Infektionsschutzes gegenüber Krankheitserregern wie Covid-19.

Ich kann Ihnen versichern: Wir sind gut aufgestellt, wir sind aufmerksam und sorgen vor. Testen, impfen, Abstand halten und Maske tragen sowie ein gutes Monitoring der Infektionslage werden uns in einen guten Herbst führen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“


Presseinformationen Bildrechte: Land Niedersachsen

Artikel-Informationen

erstellt am:
07.07.2021

Ansprechpartner/in:
Oliver Grimm

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