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Prävention – Hilfe – Unterstützung: Beratungsstelle beRATen e.V. stellt erfolgreiche Arbeit gegen salafistische Radikalisierung vor

Sozialministerin Behrens: „Prävention ist eine Daueraufgabe, Deradikalisierung verläuft prozesshaft und ist langwierig. Deshalb ist eine solide und nachhaltige Unterstützung wichtig“


„beRATen e.V. ist eine Erfolgsgeschichte“, so bilanziert Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens die Arbeit der seit nunmehr sieben Jahren bestehenden landesweit tätigen Beratungsstelle zur Prävention salafistischer Radikalisierung.

Im April 2015 unter Federführung des Sozialministeriums gestartet, um junge Menschen vor einer Radikalisierung durch islamistische Einflüsse zu bewahren, sie dabei zu unterstützen, sich von extremistischer Ideologie zu lösen und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ist beRATen e.V. nicht mehr aus der Präventionslandschaft wegzudenken. „Über die Jahre hat sich beRATen e.V. nicht nur in die Präventionsstrukturen eingefügt, sondern diese aktiv in Niedersachsen und auf Bundesebene mit aufgebaut“, unterstrich Sozialministerin Daniela Behrens bei einem Pressegespräch in den Räumlichkeiten der Beratungsstelle. „Das Team erfährt mit seiner Expertise und dem Beratungsangebot bei der Zielgruppe – junge, radikalisierte Menschen, aber insbesondere Angehörige sowie Freundinnen und Freunde oder Fachkräfte aus den Bereichen Kita, Schule und Jugendämter – große Akzeptanz. Hinzu kommt, dass es fachlich versiert den immer neuen Erscheinungsformen des Phänomens islamistischer Radikalisierung begegnet.“ Diese sehr dynamischen Entwicklungen erlaubten keinen Stillstand.

Dem schloss sich auch Emine Oğuz, Vorsitzende des Trägervereins von beRATen e.V. an: „Die erfolgreiche, immer weiterwachsende Arbeit des Beratungsteams zeigt, dass wir seinerzeit gemeinsam mit dem Sozialministerium den richtigen Nerv getroffen haben. Gemeinsam haben wir ein Netzwerk aufgebaut und vielen Institutionen Hilfestellungen und Unterstützung geboten, sowohl auf fachlicher als auch auf sozialer Ebene.“

Fast 380 Anfragen hat „beRATen e.V.“ von April 2015 bis April 2022 verzeichnet. Hinter dieser Zahl verbergen sich zahllose weitere Aufgabenstränge und Herangehensweisen, um betroffenen jungen Menschen und deren sozialen Umfeld zur Seite zu stehen. Zudem ist das Aufgabenspektrum des multiprofessionellen Teams im Laufe der Jahre vielschichtiger geworden. Das Team von beRATen e.V. reagiert stets unmittelbar auf neue geopolitische wie gesellschaftliche Entwicklungen und Erscheinungsformen: Ging es zunächst vornehmlich darum zu verhindern, dass junge Menschen in Gebiete des Islamischen Staates (IS) ausreisen, verschob sich der Fokus hin zu Rückkehrenden aus Syrien und dem Irak sowie Kindern aus radikalisierten Familienverbänden. Thematisch hinzugekommen sind mittlerweile die Aufgabenfelder einer intensiven Zusammenarbeit mit Jugendämtern, um z.B. eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu prüfen, Prävention im Kontext psychischer Auffälligkeiten, De-Radikalisierungsarbeit im schulischen und Kita-Bereich sowie die – durch die Corona-Pandemie beförderte – zunehmende Radikalisierung durch soziale Medien.

Anhand eines Beispiels illustrierte Harry Guta, der Teamleiter von beRATen e.V., wie komplex sich die Bearbeitung von Fällen gestalten kann und mit welchen unterschiedlichen Akteuren die Beraterinnen und Berater zusammenarbeiten. So werden beispielsweise neben den Familien auch Jugendämter, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe ebenso mit ins Boot geholt wie die Sicherheitsbehörden, wenn es sich um sicherheitsrelevante Fälle handelt und dies gesetzlich geboten ist. „Wir haben immer die sich ständig verändernde geopolitische Lage und damit auch gesellschaftspolitische Lage bei uns im Blick, nach der wir unsere Arbeit immer wieder neu ausrichten müssen“, erläuterte Guta und betonte, dass „wir uns in einem politisch als auch grundrechtlich hochsensiblen Bereich bewegen und Maßnahmen vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Aspekten reflektiert werden müssen. Dazu gehört auch die Abwägung zwischen grundrechtlich gedeckter Religionsfreiheit und extremistischen Einstellungen.“

Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird beRATen eV. seit Anbeginn vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Der führende Experte des IIT, der Islamwissenschaftler und Extremismusforscher Dr. Michael Kiefer unterstrich: „Eine gut aufgestellte Radikalisierungsprävention – wie beRATen e.V. sie leistet – muss einen breiten Fächer an Maßnahmen bereithalten.“ In der Präventionslandschaft Niedersachsens bilde die Beratungsstelle einen wichtigen Baustein, der eine ganze Reihe von Alleinstellungsmerkmalen aufweist, so Kiefer. „Damit hat sich beRATen e.V. als bedarfsgerechtes Angebot der Präventions- und Beratungsarbeit außerhalb der Sicherheitsbehörden in Niedersachsen bewährt. Gute Vernetzung und hohe Professionalität sind Kennzeichen dieser gelungenen Arbeit.“

Alle Rednerinnen und Redner betonten, dass salafistische Radikalisierung kein rein religiöses, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sei und damit Deradikalisierungsarbeit eine Daueraufgabe. „Wir brauchen eine nicht nachlassende Aufmerksamkeit für das Thema“, hob Ministerin Daniela Behrens hervor, „denn nach Einschätzung von Fachleuten bedeuten die stagnierenden Fallzahlen keinesfalls, dass Entwarnung gegeben werden kann, was die Gefahr von Anschlägen hierzulande betrifft.“ Ein Aufweichen der Präventions- und Deradikalisierungsstrukturen könne deshalb verheerende Folgen haben. „Die existierenden Strukturen müssen aufrechterhalten bleiben und Programme zur Prävention und Deradikalisierung konstant fortbestehen“, so die Sozialministerin. „Deradikalisierung verläuft zudem prozesshaft und ist daher langwierig. Insofern ist eine solide und nachhaltige, auf Dauer angelegte Unterstützung der Präventionsarbeit wichtig!“

Hintergrundinformation

Radikalisierungsprozesse und deren Hintergründe sind vielfältig. Jeder Fall gestaltet sich individuell. Biographien von jungen Menschen, die sich salafistisch radikalisiert haben, zeigen, dass sie aus unterschiedlichsten sozialen Milieus kommen und das Spektrum der Bildungsabschlüsse komplett abdecken. Salafistische Radikalisierung ist also kein rein religiöses, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Um den Gefahren des Islamismus, insbesondere des Salafismus, entgegenzutreten, hat die Landesregierung unter Federführung des Niedersächsischen Sozialministeriums im Dezember 2014 den „Verein für jugend- und familienpädagogische Beratung Niedersachsen – beRATen e.V.“ als Träger der ersten zivilgesellschaftlichen Beratungsstelle in Niedersachsen gegründet. Die Beratungsstelle hat im April 2015 ihre Arbeit aufgenommen.

beRATen e.V. mit Sitz in Hannover ist in ganz Niedersachsen für die Beratungsarbeit zuständig. Beratung und Begleitung erfolgen bedarfsgerecht vor Ort.

Die Beratungsstelle ist zusammen mit dem Sozialministerium in dem ressortübergreifenden und beim Niedersächsischen Innenministerium angesiedelten Kompetenzforum Islamismusprävention Niedersachsen (KIP NI) eingebunden, das 2016 von der Landesregierung ins Leben gerufen worden ist.

Weitere Informationen zu der Arbeit der Beratungsstelle finden Sie unter https://www.beraten-niedersachsen.de/.

Presseinformationen

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erstellt am:
09.06.2022

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