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Innovative Gesundheitsprojekte werden gefördert

Sozialministerium, Krankenkassen und Ärzteschaft setzen mit Gesundheitsregionen auf regionale Innovationskraft


Die medizinische und pflegerische Versorgung hängt von vielen Faktoren auf kommunaler Ebene ab. Hierfür sind die niedersächsischen Gesundheitsregionen eine tragende Säule.
38 Landkreise und kreisfreie Städte sind bereits dabei. Sie vernetzen sektorenübergreifend ambulante, stationäre und pflegerische Angebote und bauen neue kooperative Strukturen auf. Jährlich erhalten besonders innovative Projekte eine Förderung, so auch in 2020.

„Ich freue mich“, so Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann, „dass es uns zusammen mit unseren Kooperationspartnern – den Krankenkassen und der Ärzteschaft – gelungen ist, wieder richtig gute Gesundheitsprojekte zu fördern. Mit den ausgewählten Projekten entstehen erneut Best-Practice-Beispiele, die auch in anderen Teilen Niedersachsens verwirklicht werden können.“

Mit den Gesundheitsregionen Niedersachsen fördert das Sozialministerium gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der AOK Niedersachsen, den Ersatzkassen, dem BKK Landesverband Mitte, der IKK classic und der Ärztekammer Niedersachsen die notwendigen Strukturen vor Ort. Gemeinsam stellen sie für die Projektförderung pro Jahr 490.000 Euro zur Verfügung. Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, fördert strukturelle Maßnahmen der Gesundheitsregionen pro Jahr mit 600.000 Euro.

Eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Kooperationspartnern und der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände, hat folgende Projekte ausgewählt:



Einführung der Ersthelfer App „Mobile Retter“

In der Gesundheitsregion Rotenburg (Wümme) sollen mit der App registrierte Ersthelferinnen und -helfer von der Einsatzleitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr bei Notrufen mit Herz-Kreislaufversagen zusätzlich zum Rettungsdienst zum Einsatzort geleitet werden. Ziel ist es dabei, das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, mit fachlich qualifizierter Ersthilfe zu überbrücken und damit die Überlebenschancen und -qualität mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu steigern. Eingebunden in das System werden zusätzlich ca. 150 im Landkreis Rotenburg (Wümme) vorhandene Automatische Externe Defibrillatoren (AED).

„[Ausweg] Los! – Krisen meistern. Suizide verhindern. Auswege aufzeigen.“

„Gesunde Dörfer - Qualifizierungsmodul Pflege“

In den Landkreisen Emsland und der Grafschaft Bentheim soll mit Hilfe des Projektes ein neues Schulpräventionsangebot zu Bewältigung von Krisen und Suizidalität in den weiterführenden Schulen etabliert werden. Das Schulpräventionsangebot „[Ausweg] Los!“ besteht aus drei aufeinander aufbauenden Workshops für Schülerinnen und Schüler sowie aus Schulungsveranstaltungen für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, ggf. Schulpsychologinnen und -psychologen, weiteren Mitarbeitenden der Schulen und Eltern. Die genannten Zielgruppen werden befähigt und qualifiziert zu Krisen- und Suizidprävention sprech- und handlungsfähig zu werden. Nachhaltige Strukturen sollen in den Schulen etabliert werden.

„Grafschafter Babylotsen – Frühe Hilfen für Eltern“

Babylotsinnen sollen in der Grafschaft Bentheim werdende und frischgebackene Eltern in der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Entbindung beraten. Neben der medizinischen Versorgung von Mutter und Kind stehen die Babylotsinnen für Fragen zur Verfügung, bei Sorgen und bei besonderen Belastungen stehen sie helfend zur Seite. Im Bedarfsfall vermittelt die Babylotsin auf Wunsch zu weiterführenden Angeboten der „Frühen Hilfen“. Das Angebot ist für die Eltern freiwillig und kostenlos. Die als Babylotsinnen tätigen Mitarbeiterinnen weisen eine Qualifikation, zum Beispiel einer Sozialpädagogin auf. Die Babylotsen sollen in der Kinderklinik der Euregio-Klinik tätig sein und in das Netzwerk „Frühe Hilfen“, das in der Grafschaft Bentheim seit vielen Jahren besteht, integriert werden.

„Einrichtung eines Gemeindepsychiatrischen Zentrums (GPZ) im Heidekreis“

In der Gesundheitsregion Heidekreis ist bekannt, dass die Hilfestellungen für psychisch kranke Menschen komplex und für diese oft nur schwer zu durchschauen sind. Gerade in einem ländlichen Bereich sind die Einrichtungen und Hilfsstellen für psychisch kranke Menschen und deren Angehörige zudem oft schwer zu erreichen und werden daher nur unzureichend genutzt. Ein Wechsel zwischen den Versorgungssektoren führt oft zu Versorgungslücken und einer daraus folgenden erneuten Verschlechterung der Symptomatik. Je ausgeprägter die Schwere der Erkrankung ist, umso eingeschränkter ist der Zugang zu zeitnahen und passgenauen Hilfen. Um eine optimale und nachhaltige Hilfe zu gewährleisten, soll das GPZ beratend, begleitend und vor allem aufsuchend tätig werden.



Statements der Kooperationspartner

Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen:
„Die Gesundheitsregionen Niedersachsen tragen sehr gut dazu bei, die unterschiedlichen regionalen Versorgungsbedarfe gemeinsam durch eine gezielte Projektförderung vor Ort zu decken. Die Ärztekammer Niedersachsen unterstützt hierbei die individuellen Versorgungsansätze und weiß die großen Bemühungen aller Akteurinnen und Akteure in den Regionen sehr zu schätzen.“

Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender AOK Niedersachsen:

„Die Gesundheitsregionen haben auch in diesem Jahr vielfältige Projektideen eingebracht. Unsere Zielsetzung ist, den sektorenübergreifenden Austausch der Gesundheitspartner vor Ort zu fördern und damit in eine auf den regionalen Bedarf abgestimmte, zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zu investieren“.

Jörg Niemann, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen:

„Für die Gesundheitsversorgung stehen enorme Ressourcen und vielfältige Leistungen zur Verfügung. Austausch, Abstimmung und Kooperation der Beteiligten vom professionellen Anbieter bis zum Ehrenamt können dazu beitragen, dass diese Leistungen noch zielgenauer bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Kern der Gesundheitsregionen ist es, dieses Zusammenspiel vor Ort zu fördern. Die Ersatzkassen unterstützen die Gesundheitsregionen deshalb aus voller Überzeugung.“

Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen:

„Ziel der KVN ist es, die Beteiligten am Gesundheitswesen vor Ort stärker zu vernetzen. Damit können wir die Gesundheitsvorsorge und die medizinische Versorgung der Menschen verbessern. Innerhalb Niedersachsens sind die lokalen gesundheitlichen Versorgungsstrukturen und die Präventionsangebote sehr unterschiedlich. Deswegen können die Akteure vor Ort die Lage am besten beurteilen und passgenaue Maßnahmen entwickeln. Solche lokal erarbeiteten Lösungen haben zudem eine höhere Bindungswirkung und Akzeptanz. Daher fördern wir gemeinsam derartige Projekte.“

Prof. Dr. Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages:

„Die Gesundheitsregionen in Niedersachsen leisten wertvolle sektorenübergreifende Vernetzungsarbeit. Die nun bewilligte Förderung einiger ausgewählter Projekte bestärkt die Entwicklung von Ideen und Initiativen vor Ort. Unabdingbar dafür ist zugleich aber auch eine deutlich höhere und verlässliche finanzielle Unterstützung der Arbeit der Gesundheitsregionen durch das Land.“

Jörg Kamphenkel, Leiter Landesvertragspolitik IKK classic:

„Die Akteure in den unterschiedlichen Gesundheitsregionen Niedersachsens haben eindrucksvoll bewiesen, dass auch bei ihnen vor Ort Keimzellen von integrativen und neuen Ansätzen in der Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region liegen. Aus einer Vielzahl von guten Ideen sind einige herausragend. Wir freuen uns, genau diese fördern zu können, damit die Angebote tatsächlich etabliert werden. Das Ziel der jeweiligen Projektförderung und unsere damit verbundene Hoffnung ist natürlich, ein dauerhaftes Angebot mit den innovativen Leistungen zu schaffen.“

Roland Ziemann, Landesvertreter des BKK Landesverband-Mitte:

„Der BKK Landesverband hat sich schon immer für eine verbesserte psychiatrische Versorgung engagiert. Am Beispiel der Förderung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums im Heidekreis wird sich zeigen, wie wichtig vernetztes Handeln für die Betroffenen ist.“

Presseinformationen

Artikel-Informationen

erstellt am:
15.06.2020

Ansprechpartner/in:
Silke von der Kammer

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