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Cornelia Rundt: „Es muss mehr spezielle Angebote für Plegebedürftige aus Migrantenfamilien geben“

Fachtagung in Hannover widmet sich heute der Pflege in Migrantenfamilien


„Die Zahl pflegebedürftiger Menschen aus Migrantenfamilien wird in den kommenden Jahren deutlich ansteigen, auf ihre speziellen Bedürfnisse müssen die Unterstützungsleistungen und die Pflegeangebote künftig besser ausgerichtet werden“, erklärte Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt heute bei der Fachtagung „Pflegende Angehörige in Familien mit Migrationshintergrund“ in Hannover. „Menschen aus Zuwandererfamilien werden überproportional oft zu Hause gepflegt“, erklärte Rundt: "Den pflegenden Angehörigen gebührt unser besonderer Dank, denn der Pflegebedarf steigt und die Zahl der jungen Angehörigen geht zurück - das hat nicht selten eine außerordentliche Belastung der Pflegenden zur Folge." Wichtig sei hier, dass die zuständigen Kostenträger, Beratungsstellen, Pflegedienste und stationären Einrichtungen gezielte Informations- und Pflegeangebote für Migrantinnen und Migranten entwickelten. Cornelia Rundt: „Zudem sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen, Behörden und Institutionen mit Hilfe von Schulungen auf die Beratung und Versorgung der Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund vorbereitet werden.“

In Deutschland kommen ungefähr acht Prozent der im Sinne des SGB XI pflegebedürftigen Personen aus Zuwandererfamilien. Die deutliche Mehrzahl der älteren Migrantinnen und Migranten wird im Falle der Pflegebedürftigkeit zu Hause durch Angehörige versorgt. Angebote zur Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger sowie professionelle Pflege werden, so wurde bei der Fachtagung deutlich, von Familien mit Zuwanderungsgeschichte jedoch nur wenig angenommen. Als Gründe dafür werden neben einer offenbar empfundenen höheren moralischen Verpflichtung zur Pflege in der Familie auch Informationsdefizite sowie darüber hinaus ein Mangel an Pflegeangeboten, die besondere kulturelle Aspeke berücksichtigen, genannt.

„Das Ziel ist klar – eine verbesserte interkulturelle Pflegeversorgung der Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Lande“, erklärte Ministerin Cornelia Rundt: „Dazu müssen die Möglichkeiten, die uns im Rahmen der Pflegeversicherung und der angrenzenden Versorgungsangebote zur Verfügung stehen, besser bekannt gemacht werden. Auch die Verbesserung der Sprachkenntnisse ist sehr hilfreich, denn so lassen sich Hürden beim Zugang zu den Versorgungsangeboten des Gesundheits- und Pflegewesens besser überwinden.“ Schließlich betonte Rundt die Bedeutung der Gesundheitsvorsorge, mit der sich die Wahrscheinlichkeit einer Pflegebedürftigkeit reduzieren lasse. „Dazu muss auch die Gesundheitsförderung bei Migrantinnen und Migranten künftig stärker in den Fokus gerückt werden“, sagte Rundt, „hierzu zählen Sport- und Ernährungsprogramme sowie Maßnahmen der Prävention im Hinblick auf angemessene Arbeitsbedingungen und soziale Belastungen“. Gerade Migrantinnen und Migranten seien in ihren Berufen nicht selten besonderen Arbeitsbelastungen ausgesetzt gewesen, die sich im Alter auf ihren Gesundheitszustand auswirkten.

Weitere Themen bei der Fachtagung in Hannover: Wenn auch die Pflege in Zuwandererfamilien bisweilen anders gehandhabt wird als in den übrigen Familien, so sind doch auch etablierte Vorstellungen inzwischen überholt: Migrantinnen und Migranten leben längst nicht mehr in der Regel in großen Familienverbänden zusammen und die Erziehung der Kinder und auch die Pflege der Älteren wird in der Regel nicht mehr auf viele Schultern verteilt. Vielmehr sind auch hier eine Verkleinerung der Kernfamilie und damit tendenziell ein Verlust an sozialen Ressourcen zu beobachten. Zudem wird das vorherrschende Bild der weiblichen Pflege durchaus in Frage gestellt, es wird immer häufiger von traditionellen Norm- und Wertvorstellungen abgewichen.

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20.11.2014

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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