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Sozialministerin Cornelia Rundt: „Die Tabuzone HIV muss durchbrochen werden“

Aufbau eines landesweiten HIV-Beratungs-Netzwerks für Migrantinnen und Migranten


Rund 20 Prozent der Menschen, die Unterstützung bei den AIDS-Hilfen in Niedersachsen suchen, haben einen Migrationshintergrund. Ein überregionales, landesweites Angebot für Migrantinnen und Migranten gibt es aber bisher nicht. Mit dem auf zwei Jahre angelegten Modellprojekt „BAOBAB“ will die Niedersächsische AIDS-Hilfe gegensteuern. Die Landesregierung fördert das Projekt mit 29.900 Euro.

„AIDS ist nach wie vor eine mit vielen Tabus belegte Krankheit. Wer informiert ist, kann Risiken besser einschätzen und sich und andere schützen. Deshalb wollen wir mit dem Projekt stärker als bislang auch Menschen mit Migrationshintergrund erreichen. Die Ratsuchenden kennen sich beispielsweise oftmals nicht so gut mit dem deutschen Gesundheitssystem aus oder haben besondere Schicksale wie Vergewaltigungen erlitten. Auf diese speziellen Bedürfnisse geht das Projekt ein“, sagte Cornelia Rundt, Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin.

„Der Begriff ‚BAOBAB’ bedeutet so viel wie „zusammen sein“. Die Menschen, die wir mit diesem Projekt ansprechen wollen, verbinden damit das Bild eines riesigen Baumes, unter dem die Menschen im Freien zusammen sitzen und sich gemeinsam beraten. Ich finde es ein passendes Symbol für dieses wegweisende Projekt“ fasst Imke Schmieta, Geschäftsführerin der Niedersächsischen AIDS-Hilfe, zusammen. Migrantinnen und Migranten, insbesondere aus Afrika, hätten einen dringenden Bedarf an Informationen zu ihrer Gesundheit, so Schmieta. Vor allem bei der Aufklärung über HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen bestehe ein ebenso großer Mangel als auch ein hohes Interesse. Das Projekt soll die geeignete Sprache und Wege finden, dieses Wissen zu vermitteln.

„Das Besondere ist der Ansatz der Transkulturalität und der Anspruch ‚aus der Community für die Community‘ zu arbeiten. Die Vermeidung von Neuinfektion unter Migrantinnen und Migranten als Gemeinschaftsaufgabe ist eine neue Herausforderung, der wir uns gern stellen“, betonte Kass Kasadi, Landeskoordinator des neuen Projektes.

Das Projekt ist als zweijähriges Modellprojekt geplant. Es richtet sich vor allem auf Menschen aus der Region südlich der Sahara. Grundlage ist der „Peer-to-peer”-Ansatz (voneinander auf Augenhöhe lernen), nach dem das Projekt von Menschen aus der Community für Menschen aus der Community umgesetzt wird. Trägerin des Projekts ist die Niedersächsische AIDS-Hilfe. Sie stellt neben der personellen Anbindung an ihre Räumlichkeiten auch ihre Infrastruktur als Landesverband bereit, übernimmt die Koordination des Projektes und gewährleistet die Verwaltung der Finanzen.

Einbezogen in die Projektentwicklung und -gestaltung werden lokale Kooperationspartnerinnen und -partner wie das Ethnomedizinische Zentrum, eine Mitgliedsorganisation der Niedersächsischen AIDS-Hilfe, sowie Ärztinnen und Ärzte, Beratungseinrichtungen und Gesundheitsämter, die eine transkulturelle Ansprechpartnerin bzw. einen transkulturellen Ansprechpartner für HIV-Gesundheitsfragen erhalten sollen.

Folgende Ziele hat das Projekt:

- HIV-Neuinfektionen unter (afrikanischen) Migrantinnen und Migranten sollen durch den Aufbau des landesweiten Netzwerkes vermieden werden

- Die 17 regionalen Mitgliedsorganisationen der Niedersächsischen AIDS-Hilfe werden in deren Präventionsarbeit unterstützt

- Aufbau von Ansprechpartnerinnen bzw. -partner mit eigenem Migrationshintergrund für die HIV-Aufklärung

- Ein Kooperationsnetzwerk mit Vertreterinnen und Vertretern der afrikanischen Communitys soll entwickelt werden, um die Angebote der AIDS-Hilfe bekannt zu machen und zu bewerben

- Es soll über medizinische HIV-Behandlungen aufklären, die Therapien unter Positiven in der afrikanischen Community erhöhen und die Compliance zur Vermeidung der Ausbreitung von resistenten Virenstämmen verbessern

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Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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