Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Jugendmedienschutz und Stärkung der Medienkompetenz

Medien spielen im Alltag junger Menschen eine zentrale Rolle. Die technischen Möglichkeiten für Jugendliche, Medien zu nutzen, haben in den letzten Jahren rasant zugenommen und sind ständigen Änderungen unterworfen. In Haushalten z. B., in denen Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren leben, besteht Vollversorgung bei Handy, Computer, Internetzugang und Fernseher. Durchschnittlich 80 % dieser Haushalte verfügen zusätzlich über Digitalkameras, MP3-Player, Videorekorder und Spielkonsolen. Bereits Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren haben zu 78 % Erfahrungen im Umgang mit dem Computer und 59 % der 6 bis 13-Jährigen zählen zum Kreis der Internetnutzer. Durchschnittlich jedes zweite Kind verfügt über ein eigenes Handy; in der Gruppe der 12 bis 13-Jährigen sind es 86 %.

Medien bieten eine große Chance um Informationen zu gewinnen, zu kommunizieren und zu lernen. Sie spielen damit im Prozess des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle. Sie bergen aber auch Gefahren, die z. B. von gewalthaltigen, pornographischen oder extremistischen Inhalten ausgehen können oder wenn sie zur exzessiven Nutzung verleiten.

Schutz- und Kontrollmöglichkeiten

Der Gesetzgeber hat im Jugendschutzgesetz (JuSchG) sowie im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder (JMStV) geregelt, dass Medienangebote für die jeweilige Altersgruppe freigegeben sein müssen.

Zu diesem Zweck werden Kino- und Videofilme sowie Computerspiele (Trägermedien) gemäß den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes von den obersten Landesbehörden in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle - FSK - Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und USK - Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle - mit Alterskennzeichen versehen.

Die Kennzeichnung erfolgt nach den folgenden Altersstufen:

  • Freigegeben ab 0 Jahren
  • Freigegeben ab sechs Jahren
  • Freigegeben ab zwölf Jahren
  • Freigegeben ab sechzehn Jahren
  • Feigegeben ab 18 Jahren

Die Altersfreigaben sollen Beeinträchtigungen in der Entwicklung oder Erziehung von Kindern und Jugendlichen ausschließen. Die Alterskennzeichen sind deutlich sichtbar auf dem Bildträger sowie der Hülle anzubringen. Die FSK- und USK-Kennzeichen sind in Deutschland verbindlich.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor beeinträchtigenden oder gefährdenden Angeboten in elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien (Rundfunk und Telemedien) richtet sich nach demJugendmedienschutz-Staatsvertrag. Zuständig für die einheitliche Medienaufsicht ist die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) als Organ der Landesmedienanstalten. Dabei erfolgt die Kontrolle auch hier nach dem Prinzip der "regulierten Selbstkontrolle". Die Verantwortung bleibt in erster Linie bei der Medienwirtschaft selbst. Deren Einrichtungen der Selbstkontrolle - die FSF - Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen und FSM - Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter - überprüfen die Angebote zunächst in Eigenverantwortung. Ihre Entscheidungen können durch die Aufsicht (KJM) korrigiert werden, wenn der Beurteilungsspielraum überschritten wurde.

Internet

Im Internet wacht jugendschutz.net über die Einhaltung des Jugendschutzes und sorgt dafür, dass Anbieter problematische Inhalte rasch verändern, löschen oder für Kinder und Jugendliche sperren. Jugendschutz.net bearbeitet eingehende Beschwerden über Verstöße gegen den Jugendschutz. Vor allem aber recherchiert das Team selbst und surft - wie eine Art Patrouille - im Internet. Verstöße werden bei den Betreibern beanstandet. Weigern sich Anbieter, Verstöße zu beseitigen, schaltet jugendschutz.net die Medienaufsicht - die KJM - ein.

Fernsehen und Hörfunk

Im Fernsehen und Hörfunkwird der Schutz junger Menschen durch Sendeverbote und Zeitgrenzen sichergestellt. Durch technische Mittel oder durch die Wahl der Sendezeit soll gewährleistet werden, dass Kinder und Jugendliche keine Sendungen sehen, die für ihre Altersstufe nicht geeignet sind. Filme, die bereits durch die FSK gekennzeichnet wurden, dürfen z.B. bei Kennzeichnung mit "Freigegeben ab sechzehn Jahren" erst nach 22 Uhr gesendet werden. Für Jugendliche nicht freigegebene Filme dürfen erst nach 23 Uhr gesendet werden.

Indizierung von Medien

Träger- und Telemedien, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu gefährden, können von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert werden. Als jugendgefährdend gelten vor allem unsittliche, verrohend wirkende und zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien. Die Aufnahme in die Liste der jugendgefährdenden Medien hat zur Folge, dass diese Medien weit reichenden Werbe- und Abgabeverboten unterliegen und nur noch Erwachsenen zugänglich gemacht werden dürfen.

Stärkung der Medienkompetenz

Angesichts der sich schnell entwickelnden neuen Medien ist es von zentraler Bedeutung, dass Kinder und Jugendliche den Umgang mit Medien erlernen und die Kompetenz entwickeln, ihrem Alter angemessene Medieninhalte in einem altersgerechten Umfang zu nutzen. Aber auch Eltern, Erzieher und Pädagogen sind aufgefordert, ihre Medienkompetenzen auszubauen, um Kinder und Jugendliche bei diesem Thema besser unterstützen, aber auch beaufsichtigen zu können.

Zur Stärkung der Medienkompetenz bietet das Land Niedersachsen eine Vielzahl von Maßnahmen und Präventionsprojekten an. Dazu gehörte in den Jahren 2006 bis 2011 die Fortbildung für pädagogische Fachkräfte zu zertifizierten Eltern-Medien-Trainern, die das Land gemeinsam mit der projektverantwortlichen Landesstelle Jugendschutz (LJS) durchgeführt hat. 144 solcher Eltern-Medien-Trainer wurden insgesamt ausgebildet, von denen rund 85 landesweit aktiv sind und ihr Wissen an Eltern, Pädagogen und andere Erwachsene weiter geben. Das Land fördert dieses entstandene Elternmedientrainer-Netzwerk durch Aufbaukurse, Methodenseminare und Unterstützung von regionalen Treffen.

Ein besonderes Angebot in Kooperation mit der LJS und den ausgebildeten Elternmedientrainern waren in den Jahren 2007 bis 2011 so genannte LAN-Partys für Eltern. Niedersachsen hat hier Maßstäbe gesetzt, um Erwachsene in die Welt der Computerspiele einzuführen. Um die Jugendlichen selbst in ihrer Verantwortung zu schulen und zu einem kritischen Umgang mit Medien zu befähigen, führt die LJS im Auftrag und mit Förderung des Landes das Projekt ‚Computerspiele in der Jugendarbeit' durch. Dabei lernen Jugendliche, als Spieltester Spiele zu beurteilen, diskutieren über Beurteilungskriterien und mögliche Wirkungen.

Der Verschuldensprävention dient seit dem Jahr 2008 das Projekt „Mein Handy: lieb und teuer", in dem der Umgang mit kostenpflichtigen Internetangeboten und Mobiltelefonen thematisiert und so die Finanzkompetenz gestärkt wird. Begleitend finden Elternabende statt. Das Projekt wurde seit dem Jahr 2010 um das Thema ‚Happy Slapping' erweitert, um präventiv der Gewalt auf dem Handy entgegen zu wirken.

Ein weiteres Projekt zur Verbesserung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen wurde in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) und der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) im Rahmen eines Arbeitskreises zum strukturellen Jugendschutz entwickelt. Es wird ab dem Jahr 2012 angeboten. Als Land-Checker stellen Kinder und Jugendliche insbesondere im ländlichen Raum ihre Umgebung auf einer selbst entworfenen Homepage und auf Audioguides dar. Damit wird das Ziel verfolgt, den kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln sowie die Identifikation der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Umgebung in einem partizipatorischen Ansatz zu stärken.

Zur konsequenten Fortsetzung der Elternarbeit im Jugendmedienschutz dient ab dem Jahr 2012 die Einführung des Programms Elterntalk, ein niedrigschwelliges Angebot, das insbesondere auch Eltern mit Migrationshintergrund den Zugang zu einschlägigen Gesprächskreisen erleichtert. Das Land fördert die Schulung von Moderatoren, die zunächst in 10 Kommunen tätig werden. Die teilnehmenden Kommunen erhalten eine Anschubfinanzierung für die Dauer von 3 Jahren.

Um den Bekanntheitsgrad der genannten und weiteren vorhandenen Angebote und Projekte auf diesem Gebiet zu steigern, will das Land darüber hinaus künftig stärker in die Strukturen als in Einzelprojekte investieren.

Interessierten Kommunen wird daher ab ca. Oktober 2012 angeboten, im Bereich der Jugend- und Familienarbeit Medienkoordinatoren und -koordinatorinnen einzusetzen, die über medienpädagogische Angebote des Landes und der Kommune informiert sind und diese Informationen zielgruppenspezifisch weitergeben. Entsprechende Kompetenzen erwerben diese in einer aus Mitteln des Landes finanzierten Fortbildungsreihe, die von der LJS in vier Modulen und einem Aufbaukurs durchgeführt wird. Für den Einsatz der Medienkoordinatorinnen und - koordinatoren gewährt das Land den Kommunen in den ersten 2 Jahren eine Anschubfinanzierung von insgesamt bis zu 10.000 EUR je Kommune.

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