Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

ALLE Menschen profitieren von Prävention, Gesundheitsförderung und Inklusion

„Müssen nicht jede ärztliche und therapeutische Praxis sowie alle Angebote für präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen barrierefrei und nutzbar sein, damit jeder Mensch - ob mit oder ohne Behinderungen - an Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitskursen teilnehmen kann?", fragt Petra Wontorra, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen.

Anlässlich eines Fachtages plädiert Wontorra: „Gesundheits- und Präventionsprogramme für alle Menschen brauchen wir überall: im Ort, im Kindergarten, in der Schule, in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie in Betrieben und in Werkstätten für behinderte Menschen."

Bewegungsmangel kann auch bei Menschen mit Behinderungen zu Folgeerkrankungen führen, wenn sie dem nicht aktiv entgegenwirken. Beispiele sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit Trisomie 21 aufgrund von Übergewicht oder Hautdruckstellen (Dekubitus) bei Menschen, die einen Rollstuhl nutzen.

Prävention und Gesundheitsförderung sind wichtig, um Folgeschäden oder auch Krankheitsrückfälle zu verhindern und um größtmögliche Gesundheit aufrechtzuerhalten. Wontorra ergänzt: „Es geht aber um noch viel mehr: Es geht um Teilhabe, um Selbstbestimmung, um Empowerment, also um die Stärkung der Person, und um Inklusion und nicht zuletzt um den Spaß, gemeinsam mit anderen etwas für die eigene Gesundheit zu tun."

Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung erklärt Gesundheit für alle sowie gesundheitliche Chancengleichheit als Leitziele. Empowerment wird als Schlüsselkategorie von Gesundheitsförderung angesehen. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bestärkt das Recht von Menschen mit Behinderungen auf den Genuss des erreichbaren Höchstmaßes an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung. In der Staatenberichtsprüfung zur Umsetzung der UN-BRK aus dem Jahr 2015 beschreibt der UN-Fachausschuss, er sei besorgt über Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung in Deutschland. Auch Menschen, die nicht so leicht erreicht werden, müssen bei Programmen für Prävention und Gesundheitsförderung einbezogen werden: Kinder mit Behinderungen, Menschen mit schwerer Körper- und Mehrfachbehinderung, geflüchtete Menschen mit Behinderungen, Asylsuchende mit Behinderungen, obdachlose Menschen mit Behinderungen etc.

Immer noch stehen Behindertenhilfe und der Gesundheitssektor zu stark „nebeneinander" - „Ich möchte zu einem „Miteinander" ermutigen", sagt die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen. „Mein Anliegen ist es, Prävention, Gesundheitsförderung und Inklusion noch mehr miteinander zu verzahnen. Diese Themen müssen in Politik und Verwaltung abteilungs- und ressortübergreifend bearbeitet werden. Außerdem ist eine noch engere themenübergreifende Kooperation zwischen Hochschulen bzw. Universitäten nötig. In der Praxis kann die Verzahnung als Bereicherung erlebt werden. Dies soll flächendeckend und schnittstellenübergreifend auf allen Ebenen in Politik, Wissenschaft und Praxis gelebt werden."

Am 31.5.2018 fand eine berufsgruppenübergreifende Veranstaltung statt: „Inklusion, Prävention und Gesundheitsförderung mit Menschen mit Behinderungen - Wie kann es gelingen?" Ausrichterinnen und Ausrichter waren u.a. das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung und die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen sowie die Landesvereinigung für Gesundheit und die Akademie für Sozialmedizin. Sozialministerin Carola Reimann führte mit ihrem fachlichen Grußwort in die Thematik ein. Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, folgte mit ihrem Statement „Darauf kommt's an: ALLE Menschen profitieren von Prävention und Gesundheitsförderung". Es schlossen sich wissenschaftliche Fachvorträge an, u. a. von Prof. Dr. Bettina Lindmeier von der Leibniz Universität Hannover sowie von Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck und Jutta Backhaus von der Fachhochschule Bielefeld. Modelle guter Praxis zur Gesundheitsförderung und Prävention bei Menschen mit Behinderungen, vorgetragen von Frau Theresa Vanheiden, rundeten den Vormittag ab. Am Nachmittag wurden viele Projekte aus der Praxis präsentiert.

Petra Wontorra fasst zusammen: „Es war eine gelungene Veranstaltung. Es freut mich wirklich sehr, dass es diesen Kongress gab, der Vernetzung ermöglichte und Schnittstellen aufzeigte. Gerade weil Prävention, Gesundheitsförderung und Inklusion alle Menschen angehen."

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01.06.2018

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