Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi besucht Schmerzmedizin der UMG: Forderungen nach Anpassung der Krankenhausreform
Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi hat am heutigen Montag die Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) besucht. Dabei tauschte er sich u.a. mit dem Leiter der Schmerzmedizin und Präsidenten der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Prof. Dr. Frank Petzke, sowie mit dem Geschäftsführer der Schmerzgesellschaft, Thomas Isenberg, über die Rolle der Schmerztherapie in der Versorgung chronisch kranker Schmerzpatienten aus. In diesem Zusammenhang ging es auch über mögliche Nachbesserungen im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG). Denn bislang ist die Schmerzmedizin als eigenständige Leistungsgruppe nicht vorgesehen. Die Schmerzgesellschaft kritisiert daher, dass chronische Schmerzerkrankte als Behandlungsfälle künftig anderen fachfremden Leistungsgruppen, etwa der Allgemeinen Inneren Medizin oder Allgemeinen Chirurgie, zugeordnet werden – mit gravierenden Folgen: Die betroffenen Schmerzkliniken erfüllen die fachfremden Leistungsgruppen-Qualitätskriterien bei Sachausstattung und Personal nicht und rutschen im neuen System durch. Neben strukturellen Problemen, so die Befürchtung, sei hierdurch die spezialisierte Versorgung für chronisch schmerzerkrankte Patientinnen und Patienten bundesweit gefährdet.
Gesundheitsminister Philippi teilte bei seinem Besuch die Einschätzung: „Die Zukunft der Schmerztherapie ist ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Chronische Schmerzen betreffen Millionen Menschen. Für die Betroffenen bedeutet das oftmals nicht nur körperliches Leid, sondern auch massive Einschränkungen im Alltag, im Berufsleben und in der sozialen Teilhabe. Gleichzeitig ist die Schmerztherapie in Deutschland nicht als eigenständige Disziplin verankert. Wir setzen uns zusammen mit betroffenen Kliniken für eine Sicherstellung von schmerzmedizinischen Angeboten ein. Versorgungsstrukturen wie hier an der UMG in Niedersachsen zeigen eindrucksvoll, wie interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie auf höchstem Niveau geleistet wird – und wie wichtig es ist, diese Einrichtungen zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Aus diesem Grund begrüße er die derzeit laufende Diskussion im Leistungsgruppen-Ausschuss und hoffe, dass die Vorschläge im Rahmen der Weiterentwicklung des KHVVG berücksichtigt werden: „Denn eine moderne Krankenhausplanung muss die Schmerzmedizin als eigenständigen und unverzichtbaren Bestandteil der Versorgung anerkennen.“
„Wir brauchen jetzt eine klare Perspektive und politisch entschlossenes Handeln, ansonsten droht ein flächendeckender Einbruch in der Versorgung chronischer Schmerzpatientinnen und -patienten“, warnt Prof. Dr. Frank Petzke, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. „Noch in diesem Herbst muss die Krankenhausreform nachgebessert und eine eigene Leistungsgruppe ‚Spezielle Schmerzmedizin‘ eingeführt werden – per Gesetz oder Rechtsverordnung.“
„Die Budgets werden in den Klinikleitungen jetzt gemacht. Ohne Planungssicherheit erfolgen keine notwendigen Investitionen oder Neueinstellungen. Die Einführung einer eigenen Leistungsgruppe ist die sinnvollste und nachhaltigste Lösung, um den Kollaps der schmerzmedizinischen Versorgung in Deutschland zu verhindern“, so der Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Thomas Isenberg.
Hintergrund:
Seit 1977 gehört die Schmerzmedizin in Göttingen zu den ersten universitären schmerztherapeutischen Einrichtungen Deutschlands. Seit 1989 besteht eine der wenigen W2-Professuren für Schmerzmedizin. Die Schmerzmedizin ist Teil der Klinik für Anästhesiologie der UMG, die den operativen Bereich anästhesiologisch versorgt, eine Intensivstation betreibt und in die regionale Notfallversorgung eng eingebunden ist. Für chronisch Schmerzkranke gibt es spezielle Angebote: Ein eintägiges interdisziplinäres Assessment (IMA) mit ärztlicher, psychologischer und physiotherapeutischer Diagnostik sowie Teamsitzung und Abschlussgespräch finden regelmäßig statt. Darüber hinaus existiert ein vierwöchiges interdisziplinäres Therapieprogramm (IMST), welches sich an Patienten richtet, die ambulant nicht ausreichend behandelt werden können – mit dem Ziel, Arbeits- und Alltagsfähigkeit zu erhalten. Ein spezialisiertes vollstationäres Angebot mit ca. 24 Betten besteht im Evangelischen Krankenhaus Weende; eine engere Kooperation ist konkret geplant.
Artikel-Informationen
erstellt am:
25.08.2025
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