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Wenn beim Hausbesuch die Telemedizin zum Einsatz kommt

Das Versorgungsmodell im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit telemedizinischer Unterstützung von Gesundheitsfachkräften wurde zeitlich und räumlich ausgeweitet.


Oldenburg (kvn-pr/dh) – Das seit Mitte 2018 laufende Projekt „116117 – neues Versorgungsmodell für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit telemedizinischer Unterstützung von Gesundheitsfachkräften“ in der Stadt Delmenhorst sowie den Gemeinden Lemwerder und Ganderkesee ist jetzt als verändertes Modell zeitlich und räumlich ausgeweitet worden.

„Seit dem 1. April 2020 sind nicht nur am Wochenende, sondern an allen Wochentagen und zusätzlich in der Stadt Wildeshausen und in den Gemeinden Dötlingen und Großenkneten Notfallsanitäter der Johanniter im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst tätig. So soll erprobt werden, ob Kassenärztinnen und Kassenärzte auch in einer ländlichen Region wirksam entlastet werden können“, sagt Dr. Christoph Titz, Bezirksausschussvorsitzender der Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), heute in Oldenburg.

So funktioniert das Modell: Ruft ein Patient den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 an, fährt kein Bereitschaftsarzt zum Patienten nach Hause. Stattdessen macht sich ein Notfallsanitäter oder examinierter Krankenpfleger der Johanniter auf den Weg. Dieser nimmt eine erste Untersuchung vor und kontaktiert bei Bedarf die Telemedizin am Klinikum Oldenburg. Dazu stellt er die Verbindung über ein spezielles telemedizinisches Gerät her, das Vitaldaten übermitteln kann und eine Videoübertragung aufbaut. Durch den Sichtkontakt kann sich der Arzt selbst ein Bild von der Situation beim Patienten machen. In vielen Fällen kann durch diese Kombination dem Patienten umfassend geholfen werden.

„Ziel ist es die medizinische Versorgung der Menschen vor dem Hintergrund des Ärztemangels auch weiterhin in der gewohnten Qualität aufrecht zu erhalten oder sogar zu verbessern. Mit der telemedizinischen Anbindung kann ärztliche Facharztexpertise besser zum Patienten gebracht werden, als es bisher im konventionellen Fahrdienst möglich ist. Das Projekt 116117 hat höchste Akzeptanz von Ärzteseite“, betont Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN.

Gesundheitsministerin Carola Reimann betont: „Das Projekt zeigt, dass digitale Lösungen in einem gut durchdachten Gesamtkonzept die medizinische Versorgung gerade in ländlich geprägten Regionen stärken können. Die Patientinnen und Patienten werden gut versorgt und Bereitschaftsärztinnen und –ärzte deutlich in ihrer Arbeit entlastet. Für mich ist dieses Projekt ein Versorgungsmodell mit Zukunftscharakter.“

Das Land Niedersachsen fördert das Projekt mit rund 462.000 Euro zur Hälfte. Die verbleibenden 50 Prozent werden von den Ärztinnen und Ärzten in den Bereitschaftsdienstregionen finanziert. Der Förderzeitraum läuft bis Ende 2022.

Im vergangenen Jahr gab es 273 Einsätze der Gesundheitsfachkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe. Davon wurde 158-Mal der Arzt im Klinikum per Telemedizin konsultiert, 115-Mal konnte der Notfallsanitäter die Situation allein lösen. In 56,8 Prozent aller Fälle konnte der Patient zu Hause bleiben, in 31,9 Prozent wurde die Fahrt mit einem Rettungswagen oder dem Krankentransport ins Krankenhaus veranlasst.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen ist die Interessenvertretung der rund 14.700 niedergelassenen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in Niedersachsen. Sie sichert die flächendeckende medizinische Versorgung für die rund 8 Millionen Einwohner in Niedersachsen rund um die Uhr, kontrolliert die Qualität der medizinischen Leistungen und legt gemeinsam mit den Krankenkassen das Leistungsspektrum und die Honorierung der Vertragsärzte fest.

Schmuckgrafik (zum Artikel: Pressemitteilungen) Bildrechte: LGLN

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Stefanie Geisler

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