Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Niedersachen klar Logo

Digitale und gendergerechte Pflege

Fachtagung an der Hochschule Osnabrück zur Digitalisierung in der Pflege mit Sozialministerin Dr. Carola Reimann und Landrat Dr. Michael Lübbersmann


Welche digitalen Kompetenzen Pflegende künftig benötigen, um allen Anforderungen ihres Berufes gewachsen zu sein und welche digitalen Hilfen Entlastung im Pflegeaufwand und in der Organisation von Pflege bieten, war Thema der Fachtagung „Aufbruch in eine neue Arbeitswelt: Pflege digital und gendergerecht“, am 3. April in der Hochschule Osnabrück.

„In einem Flächenland wie Niedersachsen können technische Hilfsmittel für Pflegebedürftige, vernetzte ambulante Pflegedienste, Telepflege und Telemedizin die Bedingungen für Pflegebedürftige und Pflegende nachhaltig verbessern. Das ersetzt selbstverständlich nicht die wichtige Bezugsarbeit, die Angehörige und Fachkräfte in Pflegeheimen und in der häuslichen Pflege leisten“, sagte Sozialministerin Dr. Carola Reimann. Im Mittelpunkt dieser Tagung standen die Bedarfe und Bedürfnisse pflegender Frauen. „Denn nach wie vor übernehmen Frauen sowohl in der professionellen Pflege als auch in der Betreuung ihrer pflegebedürftigen Angehörigen den größten Teil der Arbeit. Das bedeutet: Alles, was wir zur Verbesserung in der Pflege tun, kommt besonders Frauen zu Gute“, unterstrich Reimann.

„Das Projekt „eMedCare Emsland-Osnabrück – digitale Brücke zwischen Hausarzt und Pflege,“ zeigt, wie mit Hilfe einer digitalen Plattform Informationen zum Gesundheitszustand hochbetagter Menschen mit Pflegeeinstufung zwischen Hausarzt und Pflegekraft ausgetauscht werden können“, führt Landrat Dr. Michael Lübbersmann ein aktuelles Praxisprojekt aus der Region an. „Versorgungsicherheit und -kontinuität sind durch den Einsatz digitaler Technik besonders für die pflegebedürftigen Menschen im ländlichen Raum besser gewährleistet.“

Die Tagungsorganisation lag bei Martin Schnellhammer, Geschäftsbereichsleiter des „Living Lab Wohnen und Pflege“, das von Bistum und Landkreis Osnabrück, sowie den beiden Hochschulen gegründet wurde. „Das Living Lab entwickelt Innovationen im Bereich Wohnen und Pflege, die es Menschen ermöglichen, länger in der eigenen Wohnung zu bleiben, auch wenn sie hochbetagt oder pflegebedürftig sind, so Schnellhammer.

In mehreren Projekten wird derzeit untersucht, welchen Beitrag die Digitalisierung zur Stressreduktion der Mitarbeitenden leisten kann. Pflegehilfskräfte in ambulanten Diensten werden zum Beispiel mit Tablets ausgestattet und können über eine sichere Videoverbindung eine coaching-geübte Pflegefachkraft in der Basisstation zuschalten. So können zum Beispiel Wegezeiten zur Einsatzzentrale teilweise eingespart werden. Zudem trägt die fachliche und kollegiale Begleitung zur Gesunderhaltung der Mitarbeitenden bei.

Die Fotos der Fachtagung wurden freundlicherweise von Swaantje Hehmann/Hochschule Osnabrück zur Verfügung gestellt.

 
 
 
 
 
 

„Roboterisierung und Plattformisierung der Pflege sind zwei Aspekte der digitalen Transformation, die wir als Wohlfahrtsverbände mit besonderer Aufmerksamkeit beobachten. Wir sehen uns in der Pflicht, die Entwicklungen, die aus den Silicon Valleys dieser Welt herüberschwappen, aktiv mitzugestalten. Wir wollen und müssen aus unserer Erfahrung formulieren, welche Entwicklungen wir als Fortschritt für Patientinnen und Pflegekräfte ansehen. Und wir müssen Ideen entwickeln, wie Roboter genau die Fähigkeiten erhalten, die ihren Einsatz in unseren Einrichtungen zu einem Gewinn machen, “ unterstrich Eva Welskop-Deffaa, Sozial- und Fachvorstand des Deutschen Caritasverbandes und zuständig für die Digitale Agenda der Caritas.

Der Erwerb digitaler Kompetenzen durch professionell Pflegende ist für Barbara Schwarze, Professorin für Gender und Diversity Studies der Hochschule Osnabrück zentral: „Es muss ein klarer Fokus auf die Stärkung der Aus-, Fort und Weiterbildung gelegt werden: Hier steht die Vermittlung von Datenschutz und ethischen Fragestellungen, die Intensivierung von Zusammenarbeit und Beteiligung, sowie die Verbesserung der Attraktivität der Pflegeberufe im Vordergrund.“

„Die Teilnehmenden der Fachtagung können sich in drei Workshops intensiv mit den Themengebieten Digitale Unterstützung im Wohnumfeld, dem Erwerb digitaler Kompetenzen in Pflegeberufen und dem Thema „Pflege auf Distanz“ für Angehörige mit Pflegeverantwortung und Berufstätigkeit befassen“, erläuterte Andrea Kalinsky, Leiterin der an der Fachtagung beteiligten Koordinierungsstelle Frau und Betrieb e. V. „Das sind genau die Themen, die die Frauen und Betriebe, mit denen wir täglich zu tun haben, bewegen.“

Gezeigt und vorgestellt wurden zudem verschiedene technische und digitale Helfer, wie zum Beispiel der Wi-Butler zur diskret unterstützenden Wohnungssteuerung und der Care-Rucksack mit Vitaldatenmonitoring.

Zum Hintergrund
In Deutschland leben knapp drei Millionen Pflegebedürftige, die von etwa 1,1 Millionen Beschäftigten in der stationären und ambulanten Pflege versorgt werden. Etwa 2,2 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause betreut, davon 1,4 Mio. ausschließlich durch Angehörige. Die Nachfrage nach ambulanter Pflege wird von drei Seiten getrieben: Die Pflegezeiten werden länger, die Kapazitäten für private Pflege nehmen aufgrund gesteigerter Erwerbstätigkeit besonders bei Frauen und räumlicher Distanz ab und bis 2050 ist mit einer weiteren Zunahme von 1,8 Mio. Pflegebedürftigen zu rechnen. Dies kann zu einem erheblichen Arbeitskräftemangel in der Pflege führen.
2017 waren in Niedersachsen knapp 90 Prozent aller Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten Frauen. In Pflegeheimen beträgt der Frauenanteil des eingesetzten Personals beinahe 85 Prozent.

Download

 Einladung

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln