Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Niedersächsische Suchtkonferenz zum Thema „Traumata und Sucht“

Gesundheitsministerin Reimann begrüßt intensivere Beleuchtung der Wechselwirkung von Sucht und Traumata: „Wir brauchen neue Perspektiven, um betroffenen Menschen passgenau helfen zu können!“


Hauptaugenmerk der diesjährigen Suchtkonferenz mit dem Untertitel Sicherheit finden - Sucht als Bewältigungsstrategie erlebter Traumata ist es, die Wechselwirkungen von Sucht und Traumata eingehender zu beleuchten, neue Wege der Behandlung sowie Perspektiven für die Prävention und Diagnostik aufzuzeigen.

Traumatisierungen haben eine hohe Relevanz für die Suchthilfe, da mindestens die Hälfte aller suchtmittelabhängigen Menschen im Laufe ihres Lebens Traumatisierungen unterschiedlichster Art erlebt haben. Traumatische Erfahrungen haben verschiedene Auslöser wie sexuelle Gewalt, körperliche Misshandlung, emotionale Vernachlässigung sowie Trennungs- und Verlustangst (unter anderem bei Fluchterfahrungen).

„Werden solche seelischen Verletzungen nicht behandelt, kann dies zu Folgestörungen und zum Posttraumatischen Belastungssyndrom der Betroffenen führen. Umgekehrt besteht für die Konsumenten von Suchtmitteln häufig ein erhebliches Risiko, traumatische Erfahrungen zu erleiden", erklärte Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann auf der Suchtkonferenz in Hannover. „Daher ist es enorm wichtig, dass dieses Thema nun stärker in den Fokus von Expertinnen und Experten rückt. Wir brauchen neue Perspektiven bei der Versorgung von traumatisierten Suchtmittelabhängigen mit dem Ziel, sie je nach ihren spezifischen Erfahrungen und Bedürfnissen passgenau zu behandeln. Nur so ist Hilfe wirklich wirksam", so Ministerin Reimann.

Besonders Kinder und Jugendliche in suchtbelasteten Familien und traumatisierte Flüchtlinge stellen die Fachleute vor besondere Herausforderungen. In Deutschland sind ca. 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche dauerhaft oder zeitweise von der Suchterkrankung mindestens eines Elternteils betroffen. Aber auch traumatisierte Flüchtlinge benötigen aufgrund von kulturellen, religiösen oder sprachlichen Barrieren eine kultursensible Suchtberatung und Traumabehandlung. Nicht zuletzt sind auch geschlechtsspezifische Aspekte bei der Prävention und Behandlung von Sucht und Traumata zu berücksichtigen, denn Frauen und Männer verarbeiten Traumata unterschiedlich.

Kernpunkt der Veranstaltung mit mehr als 180 Expertinnen und Experten war die Vorstellung des Therapiemanuals „Sicherheit finden" der Universität Harvard: Es betrachtet die Zusammenhänge zwischen Traumata und Sucht und behandelt diese beiden Aspekte zusammen. In mehr als 15 verschiedenen Modulen informiert das Therapieprogramm Patientinnen und Patienten über die Zusammenhänge zwischen Sucht und Trauma, bietet durch Arbeitsblätter Anregungen und Unterstützung und vermittelt Techniken, wie Folgen von Traumata verarbeitet und das Verhalten im Alltag nachhaltig verändert werden können.

Hintergrund

Die Niedersächsische Suchtkonferenz wird seit 1988 vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung veranstaltet. Die Konferenzen behandeln aktuelle Suchtthemen wie Alkoholmissbrauch und Folgeschäden, Drogen, neue Psychoaktive Substanzen, stoffungebundene Abhängigkeiten, Sucht am Arbeitsplatz, Sucht im Alter und Sucht und Migration.

Ziel der Niedersächsischen Landesregierung ist es, Maßnahmen zur Suchtprävention und Hilfsangebote für von Sucht betroffene Menschen unvermindert fortzusetzen, dies betrifft auch die Aufklärungsarbeit hinsichtlich nicht stoffgebundener Süchte wie Medienabhängigkeit. Dafür stehen in diesem und im nächsten Jahr finanzielle Mittel in Höhe von jeweils mehr als 7,6 Mio. Euro bereit.

Presseinformationen
Artikel-Informationen

29.11.2017

Ansprechpartner/in:
Naila Eid

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