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Land stärkt ambulante Pflege im ländlichen Raum mit 20 Millionen Euro

Sozialministerin Carola Reimann: „Wir wollen die Arbeits- und Rahmenbedingungen in der ambulanten Pflege strukturell verbessern. Es werden ganz gezielt die Anbieter unterstützt, die maßgeblich zu einer guten pflegerischen Versorgung der Menschen auf dem Land beitragen“

Mit dem Programm zur Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum fördert die Landesregierung gezielt ambulante Pflegedienste außerhalb der niedersächsischen Ballungsgebiete. Bis 2022 stehen jährlich 5 Millionen, insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir wollen mit unserer Förderung nachhaltige und über den Förderzeitraum hinaus wirksame strukturelle Verbesserungen der Arbeits- und Rahmenbedingungen in der ambulanten Pflege schaffen und so die Situation der engagierten Pflegekräfte verbessern. Denn insbesondere in ländlichen Regionen stehen die Pflegedienste vor großen Herausforderungen“, betont Sozialministerin Carola Reimann anlässlich der heutigen Vorstellung der neuen Förderrichtlinie. Die Nachfrage nach entsprechenden Pflegeleistungen sei groß und die Pflegedienste in den ländlichen Regionen besonders von Abwanderung und Fachkräftemangel betroffen.

Gefördert werden ambulante Pflegeeinrichtungen, die ihren Sitz in Niedersachsen haben und deren Pflegestandorte mehrheitlich außerhalb der Landeshauptstadt Hannover sowie der Städte Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen, Hildesheim, Wilhelmshaven, Delmenhorst, Lüneburg und Celle liegen. Seit 2016 wird die ambulante Pflege im ländlichen Raum gefördert, die Förderbedingungen wurden jetzt weiterentwickelt:

Nun können auch in Niedersachsen ansässige Pflegedienste eine Förderung beantragen, deren Träger ihren Sitz in anderen Bundesländern haben. „So wollen wir ganz gezielt die Anbieter unterstützen, die maßgeblich zu einer guten pflegerischen Versorgung der Menschen auf dem Land beitragen. Denn häufig ist der ländliche Raum stärker von Alterungsprozessen betroffen als Ballungszentren. Dazu kommen für die Pflegedienstanbieter neben der oftmals schwierigen Suche nach Fachkräften häufig längere Wegezeiten als in städtischen Regionen“, unterstreicht Dr. Carola Reimann.

Die Förderung ist an eine tarifgerechte Bezahlung der Beschäftigten geknüpft. Für die Sozialministerin ein besonders wichtiges Merkmal: „Zu einer Verbesserung der angespannten Situation in der ambulanten Pflege gehört ganz entscheidend eine faire und tarifliche Entlohnung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nur wenn die Pflegearbeit angemessen vergütet wird, werden sich Menschen für die Arbeit in der Pflege entscheiden. Darüber hinaus braucht der Beruf mehr Wertschätzung und ein positiveres Image in der Öffentlichkeit. Und genau die Ideen und Projekte, die das unterstützen, wollen wir fördern.“

Mit bis zu 40.000 Euro werden die eingereichten Projekte gefördert, wenn sie folgende Schwerpunkte betreffen:

─ Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Pflegekräfte,

─ Kooperation und Vernetzung,

─ Einführung von EDV-basierten Systemen und

─ Verbesserung der Arbeits-und Rahmenbedingungen insgesamt.

Neu ist auch eine höhere Förderung für Kooperationsprojekte. Hierfür können bis zu 2000 Euro zusätzlich pro teilnehmendem Träger beantragt werden. Um eine gute Verteilung der Fördermittel sicherzustellen, müssen die Träger einen geringen Eigenanteil erbringen. Das Land finanziert bis zu 90 Prozent der projektbezogenen Ausgaben. Öffentliche Träger erhalten bis zu 80 Prozent der Kosten. Die übrigen Ausgaben sind durch eigene Mittel zu decken.

Die Auswertung der ersten Förderperiode ergab, dass das Programm von den ambulanten Pflegediensten sehr gut angenommen wurde. Über 500 Projekte wurden bis Ende des Jahres 2018 mit insgesamt rund 18 Millionen Euro gefördert. In nahezu allen ländlichen Regionen Niedersachsens wurden Vorhaben umgesetzt.

Die Schwerpunkte lagen dabei in der Einführung technischer und EDV-basierter Systeme und bei Maßnahmen zur Organisationsentwicklung. Auch die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Kooperation und Vernetzung wurden gefördert.


Beispiele für umgesetzte Projekte

„Arbeitnehmerfreundliche Arbeitsmodelle im Paritätischen Pflegedienst Helmstedt - Einführung kompetenzbasierter Laufbahnen“

Im Rahmen dieses Projektes wurden Fachpositionen eingeführt. Dabei handelt es sich um Spezialisierungen. Beschäftigte, die zum Beispiel lebensphasenbedingt nicht voll einsetzbar sind, können so weiter im Pflegedienst gehalten werden. Im Paritätischen Pflegedienst Helmstedt wurden so unter anderem eine Stelle für das Medikamentenmanagement und das Dokumentenmanagement geschaffen. Die Förderung für das Projekt betrug rund 60.000 Euro. Im Ergebnis konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet und berufliche Perspektiven geboten werden.


„Tablets in der Pflege“

Innerhalb dieses Projektes wurden die Pflegekräfte des Caritas-Pflegedienstes Nordhorn mit Tablet-Computern ausgestattet. Mithilfe der internetfähigen Tablets können die Pflegekräfte die Dokumentation nun direkt bei den Pflegekunden vornehmen. Angaben, die bislang nach den Einsätzen im Büro des Pflegedienstes in den Computer übertragen wurden, können jetzt vor Ort oder zu einem späteren Zeitpunkt zuhause direkt in die Datenbank eingetragen werden. Die Mitarbeitenden erhalten auf diese Weise mehr Flexibilität bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit. Dies reduziert Stress und verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Digitalisierung ermöglicht darüber hinaus eine bessere Vernetzung der pflegerischen Angebote. Über die Tablets sind Pflegeakten und Leistungsdokumentation von jedem beliebigen Ort aus zugänglich und bearbeitbar. Auf diese Weise können die Schnittstellen der Pflegeangebote untereinander, aber auch mit Haus- und Fachärzten verbessert werden. Die Förderung für dieses Projekt betrug rund 41.000 Euro.


„Schulkooperation zur Gewinnung von Fachkräften“

Um neue Auszubildende zu gewinnen, ging die Caritas-St. Antonius Pflege GmbH im Landkreis Osnabrück eine Kooperation mit einer allgemeinbildenden Schule ein. Im Rahmen von Vorstellungstagen in der Schule und bei Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler in den Pflegeeinrichtungen des Projektträgers wurde Pflege erlebbar und erfahrbar gemacht. Parallel dazu präsentierte sich der Träger auf Ausbildungsmessen und im Internet. Ziel des Projektes war, das Berufsbild Pflege bei jungen Menschen positiv zu besetzen, um so früh wie möglich Interesse bei potentiellen Auszubildenden zu wecken und Kontakte zu knüpfen. Das Projekt wurde mit rund 16.000 Euro gefördert. Auf Grund des großen Erfolges sind Kooperationen mit weiteren Schulen geplant.

Unter www.ms.niedersachsen.de/pflege/ sowie unter www.soziales.niedersachsen.de gibt es weiterführende Informationen über das Förderprogramm.

Presseinformationen
Artikel-Informationen

27.05.2019

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