Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Bessere Versorgung von Kranken und Pflegebedürftigen durch innovative Technik

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt: „Nur mit Digitalisierung können wir die künftigen Herausforderungen bewältigen und Patientinnen und Patienten umfassend helfen"


Angesichts der erweiterten Möglichkeiten der gesundheitlichen Versorgung durch die Telemedizin fordert Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt, dieses Potenzial weiter auszubauen. „Wir müssen qualitativ hochwertige und wohnortnahe Versorgung nicht nur in Ballungszentren, sondern auch im ländlichen Raum gewährleisten", betont Ministerin Rundt. „Telemedizinische Anwendungen bieten erhebliche Möglichkeiten und Chancen, gerade auch in einem Flächenland wie Niedersachsen. Sie sind ein weiterer wichtiger Baustein, um vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung weiter Gesundheitsdienstleistungen flächendeckend gewährleisten zu können." Ohne Digitalisierung könne das deutsche Gesundheitswesen den Herausforderungen der Zukunft nicht begegnen.

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium ist an E-Health-Projekten beteiligt, um den Bereich Telemedizin noch stärker voranzutreiben: Dazu gehören das webbasierte Managementsystem im Rettungswesen IVENA, das Telemedizin Netzwerk Oldenburg sowie elektronische und technische Assistenzsysteme (sogenannte AAL-Systeme - Ambient Assisted Living). Außerdem plant Niedersachsen, z.B. eine sichere Basis-Infrastruktur zur Übermittlung und zum Austausch von Patientendaten zu schaffen.

Für Gesundheitsministerin Rundt ist es das unbedingte Ziel, die Nutzung von Telemedizin auszuweiten und deren Finanzierungssysteme sicherzustellen. Sie befürwortet deshalb die Forderungen der Gesundheitsministerkonferenz an das Bundesgesundheitsministerium, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen: U.a. sollen schnellstmöglich telemedizinische Anwendungen in den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) integriert und der Rahmen für die Weiterentwicklung des stationären Vergütungssystems (bspw. neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nach § 6 Absatz 2 KHEntgG) so angepasst werden, dass telemedizinische Verfahren in der Fläche angewendet und finanziert werden können.
Darüber hinaus spricht sich Ministerin Rundt dafür aus, elektronische Patientenakten (EPA) einzuführen. Denn arztgeführte, patientenzentrierte elektronische Patientenakten sind eine Grundvoraussetzung für eine umfassende sektorübergreifende Versorgung. Wichtig ist dabei, die Zugriffsrechte der Patientinnen und Patienten auf eigene medizinische Gesundheitsdaten zu optimieren - ein wichtiges Element, um die informationelle Selbstbestimmung sicherzustellen. Dazu sollen die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Telematik im Gesundheitswesen und die gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbh) ein „Forum elektronische Patientenakte" einrichten. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten zu verbessern und Insellösungen zu vermeiden.

„Bislang macht die Telemedizin nur einen sehr geringen Teil der Versorgung von kranken Menschen aus. Das steht im Widerspruch zum nachgewiesenen Nutzen von Telemonitoring und Teletherapie", unterstreicht Rundt. „Wir müssen dieses zukunftsträchtige Potenzial deshalb unbedingt bestmöglich ausbauen. Digitalisierung ist die Lösung für viele Probleme bei der ärztlichen Versorgung. Nur so können wir patientenfreundlich und fachlich kompetent den Herausforderungen begegnen", so die Ministerin.

Niedersächsische Projekte im Rahmen der Telemedizin

Notfallversorgung IVENA (Interdisziplinärer-Versorgungsnachweis)

Das IVENA-System ist ein webbasiertes Notfallmanagementsystem, welches bei den Rettungsleitstellen, den Rettungswagen und den Krankenhäusern installiert ist. Die Krankenhäuser melden über das IVENA-System die Patientin bzw. den Patienten mit genauer Definition der Erkrankung an. Die Krankenhäuser melden über das System die freien oder überlasteten Kapazitäten an. Die Rettungsleitstelle kann somit einerseits mit der exakten Benennung der Krankheit durch den Notarzt sowie andererseits durch die Statusmeldungen der Krankenhäuser die Notfälle in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus steuern.
Für die Einführung von IVENA in Niedersachsen seit Anfang 2016 ist unter Federführung des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums eine Pilotregion, bestehend aus der Region Osnabrück, dem Bereich der Großleitstelle Oldenburger Land (Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg, Wesermarsch sowie die kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg), der Region Hannover sowie dem Landkreis Heidekreis entstanden. Aufgrund des Erfolges planen absehbar weitere Regionen IVENA einzusetzen. Zudem werden auch die Krankenhäuser in Bremen zeitnah in das niedersächsische Modellprojekt einsteigen.

Telemedizin Netzwerk Oldenburg, Offshore Windparks

Das „Telemedizin-Netzwerk für Menschen ohne direkten Zugang zu ärztlicher Versorgung" ist ein Projekt des Klinikums Oldenburg gGmbH. Kooperationspartner ist die IQ.medworks GmbH. Die Telemedizin-Zentrale am Klinikum Oldenburg ist seit März 2015 in Betrieb. Mit der Zentrale für Telemedizin werden die räumliche und zeitliche Distanz zwischen Fachärztin bzw. Facharzt und Patientin bzw. Patient überbrückt und räumliche Versorgungslücken geschlossen. Mediziner beurteilen mittels eines kleinen High-Tech-Gerätes ohne zeitliche Verzögerung die klinische Situation von Patienten, stellen Diagnosen, treffen weiterführende therapeutische Entscheidungen und leiten Ersthelfer oder Rettungsassistenten an. Derzeit liegt der Fokus auf dem Bedarf von Offshore-Windparks, wo Mitarbeiter in der Nordsee tätig sind und dort erkranken oder einen Unfall haben.
Das Projekt wurde 2015 mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis in der Kategorie „eHealth-Lösungen zur Vernetzung in der Gesundheitsversorgung" ausgezeichnet.

Ziel ist die zeitnahe Ausweitung des Telemedizin-Netzwerkes auf weitere vergleichbare Einsatzgebiete. Die Projektträger sollen darin unterstützt werden, ihre Erfahrungen anderen Kooperationspartnern zur Verfügung zu stellen, um das bestehende Telemedizin-Netzwerk auszuweiten und mit potentiellen Kooperationspartnern einen Zeit- und Maßnahmenplan zu erarbeiten.

AAL (Ambient Assisted Living)

Elektronische und technische Assistenzsysteme - sogenannte AAL-Systeme (Ambient Assisted Living) - sollen dazu beitragen, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf länger und unabhängiger bei sich zu Hause leben können. Beispiele sind elektronische Aufstehhilfen oder Sensoren, die bei einem Sturz automatisch Alarm auslösen.

Presseinformationen
Artikel-Informationen

11.07.2017

Ansprechpartner/in:
Naila Eid

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