Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“

Ehemalige Heimkinder haben dem Petitionsausschuss des Bundestages, aber auch Ländern, Medien und Kirchen in jüngster Zeit geschildert, welch entwürdigende Erfahrungen sie in öffentlichen und konfessionellen Erziehungsheimen von 1949 bis 1975 gemacht haben. So berichten vor allem die damals 14 bis 21-jährigen Fürsorgezöglinge von Arbeitszwang und menschenunwürdigen Strafen als Erziehungsmethoden und in einigen Fällen sogar von sexuellem Missbrauch. Sie haben deshalb eine Anhörung und Aufarbeitung des ihnen widerfahrenen Leids durch den Bundestag sowie eine Entschuldigung und Regelungen zu Entschädigungen gefordert.

Die Aufarbeitung und Bewertung übernahm von 2009 an der Runde Tisch „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren". Der Runde Tisch legte Ende 2010 seinen Abschlussbericht vor. U. a. empfahl er finanzielle Hilfen zugunsten einzelner Betroffener. Diese Empfehlung führte zur Errichtung des Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975". Der Fonds nahm am 01.01.2012 seine Tätigkeit auf. Die Summe des Fonds beträgt insgesamt 120 Mio. Euro.

Die Fondsverwaltung erfolgt durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln. Gesteuert wird der Fonds durch einen Lenkungsausschuss, der aus sechs Mitgliedern besteht. Zwei Mitglieder werden von der Bundesregierung, zwei von der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder und jeweils ein Mitglied von der evangelischen Kirche und von der katholischen Kirche benannt. Die Belange der ehemaligen Heimkinder werden durch eine Ombudsperson wahrgenommen.

Leistungen aus dem Fonds sollen Betroffenen zu Gute kommen, die als Kinder oder Jugendliche in den Jahren1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland in einer vollstationären Einrichtung zum Zwecke der öffentlichen Erziehung untergebracht waren und

  • eine Minderung von Rentenansprüchen aufgrund nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge erlitten haben und/oder
  • bei denen ein Folgeschaden und besonderer Hilfebedarf aufgrund von Schädigungen durch die Heimerziehung vorliegt.

Betroffene können sich bis zum 31. Dezember 2014 an die örtlich zuständige regionale Anlauf- und Beratungsstelle wenden, die einen Antrag auf die Gewährung von finanziellen Leistungen an die Geschäftsstelle bei der Fondsverwaltung weiterleitet.

Die Zuständigkeit der Anlauf und Beratungsstellen für den Heimkinderfonds West ist so geregelt, dass die regionale Anlauf- und Beratungsstelle zuständig ist, in der ein ehemaliges Heimkind seinen aktuellen Wohnsitz hat. Sofern der Wohnsitz in den ostdeutschen Bundesländern oder außerhalb der Bundesrepublik Deutschland liegt, ist in Niedersachsen die Anlauf- und Beratungsstelle zuständig, in der die damalige Einrichtung, in die das ehemalige Heimkind eingewiesen wurde, ihren Sitz hatte.

Für den Fall, dass es für Betroffene, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist, mit der für sie zuständigen Anlauf- und Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen und sie Kontakt zu einer anderen Anlauf- und Beratungsstelle suchen, sind diese nach bisherigen Erfahrungen bemüht, Lösungen im Sinne der Betroffenen zu finden. Die Lösung kann im Einzelfall darin bestehen, dass sich die eigentlich unzuständige Anlauf- und Beratungsstelle bereit erklärt, die Beratung zu übernehmen. Dieser Übernahme gehen im Regelfall bilaterale Absprachen zwischen den beteiligten Anlauf- und Beratungsstellen voraus, da die Beratung den Anlauf- und Beratungsstellen Kosten verursacht.

Nähere Informationen zum Fonds und die Kontaktdaten der Anlauf- und Beratungsstellen erhalten Sie hier.

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