Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Armut wirksam bekämpfen

Auch in einem reichen Land wie Deutschland gibt es Armut, auch wenn Armut hier eine andere Bedeutung hat, als in manch anderem Land. In der Europäischen Union wurde sich darauf verständigt, zur Bemessung der Armut nicht von einem dauerhaft festen Armutswert auszugehen, wie es zum Beispiel die UNO mit der 1-Dollar-pro-Tag-Armutsgrenze macht. Wir messen die Einkommensarmut „relativ". Das heißt, dass das Einkommen von Menschen am mittleren Einkommen seiner Mitmenschen gemessen wird, z. B. bezogen auf alle Niedersachsen. Als arm gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Nähere Auskünfte zur Situation in Niedersachsen gibt die Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN), die jährlich durch das Sozialministerium herausgegeben wird.

Über die Jahre hinweg zeigt sich, dass bestimmte Personengruppen besonders von Armut betroffen sind. Neben den Erwerbslosen sind das vor allem auch Haushalte von Alleinerziehenden und Haushalte von geringqualifizierten Personen. Auffällig ist auch die schwierige Situation von Familien mit drei und mehr Kindern.

Es wäre zu kurz gegriffen, Armut ausschließlich als finanzielle Armut zu verstehen. Letztlich geht es um mehr, nämlich die Lebens- und Verwirklichungschancen eines jeden Einzelnen. Armut zu bekämpfen, muss deshalb vordringliches Ziel aller gesellschaftlichen Gruppen sein.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen, denn sie sind besonders schutzbedürftig und benötigen die gesamtgesellschaftliche Unterstützung. Sie können am wenigsten für ihre finanzielle und soziale Situation und sind gleichzeitig am wenigsten in der Lage, etwas daran zu verändern.

Gleichberechtigtes Aufwachsen - losgelöst von sozialer Herkunft und finanzieller Situation - ist daher ein wichtiges Anliegen. Kinder und Jugendliche sollen sich entsprechend ihrer Neigungen und Fähigkeiten entwickeln können.

Es gibt verschiedene Ansätze in Niedersachsen, um die Armutsgefährdung und deren Auswirkungen zu verringern. Einige Projekte sind speziell für Kinder und Jugendliche ausgelegt, bei anderen Projekten profitieren die Kinder mittelbar, weil die Situation der Eltern bzw. Familien verbessert werden soll.

Viele Projekte wirken sich auf die Armutsquote nicht (unmittelbar) aus, weil das Einkommen der Familien nicht (sofort) steigt. Einige Projekte sollen die Auswirkungen von Armut reduzieren. Ziel ist zum Beispiel, dass Kinder aus prekären Lebensverhältnissen sich nicht benachteiligt fühlen und die gleichen Chancen haben wie andere Kinder. Gleichzeitig benötigen bestimmte Zielgruppen, zum Beispiel Alleinerziehende und Erwerbslose, besondere Unterstützung, um ihre prekäre Lage zu verbessern.

Nachfolgend einige Beispiele:

  • In den Jahren 2010 bis 2014 startete das Sozialministerium die Initiative „Regionale Mitmachtage gegen Armut und soziale Ausgrenzung von Kindern" und setzte hierfür jährlich rund 150.000 Euro Fördermittel ein. Landesweit haben soziale Akteure Angebote für benachteiligte Kinder entwickelt und durchgeführt. Nähere Informationen und die jährlichen Dokumentationen finden Sie hier.
  • Im Herbst 2014 ging die neue Förderinitiative „Mitten drin! Jung und aktiv in Niedersachsen" an den Start, die bis 2017 mit einem Volumen von insgesamt 1,2 Millionen Euro vom Land gefördert wird. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Niedersachsen e.V. führt das Projekt durch. Nähere Details und Informationen zur Antragstellung finden Sie hier.
  • Eine durch das Sozialministerium initiierte „AG Gleichstellung" setzt sich auf Bundesebene intensiv dafür ein, den gleichstellungspolitischen Auftrag des SGB II zu erfüllen. Erfahrungen zeigen, dass Mütter im SGB-II-Leistungsbezug (sog. ALG II oder Hartz IV) in den Jobcentern bislang oft nicht so intensiv wie Männer mit hochwertigen Qualifizierungsmaßnahmen gefördert und häufiger in Minijobs und Teilzeit­angebote vermittelt werden. Insbesondere im Hinblick auf die zunehmend steigende Altersarmut insbesondere von Frauen sowie die hohe Kinderarmut muss hier für Verbesserung gesorgt werden.

  • Auf Landesebene leitet das Sozialministerium die „AG Kinderbetreuung", die sich darum bemüht, die Angebotslage der Kinderbetreuung um zielgerichtete bedarfsspezifische Angebote in den Tagesrand­stunden (für Schichtarbeiterinnen insbesondere im Dienstleistungssektor und Einzelhandel) zu verbessern. Aus diesem Ansatz heraus wurde zum Beispiel 2013/2014 mit insgesamt 150.000 Euro die modellhafte Erprobung neuer Ansätze in den Jobcentern Osterholz, Vechta und Wolfsburg gefördert. Ziel war es, innovative Beratungs- und Unterstützungsansätze zu finden, um Allein­erziehenden die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder einer darauf abzielenden Berufsausbildung bzw. Qualifika­tion zu ermöglichen. Von den Erkenntnissen und zum Teil sehr positiven Ergebnissen sollen im Anschluss die anderen Jobcenter profitieren.

  • Die Landesregierung hat 2014 neue Schwerpunkte in der Wohnraumförderung gesetzt und die Förderbedingungen für Investoren deutlich verbessert. Damit werden die in der Koalitionsvereinbarung der neuen Landesregierung formu­lierten Zielsetzungen sowie die Empfehlungen der Konzertierten Aktion für Bauen und Wohnen umgesetzt. Ziel ist es, mehr bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnraum vor allem für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sowie für kinderreiche Familien und Alleinerziehende zu schaffen.

  • Niedersachsen hat sich auf Bundesebene für den flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro eingesetzt, um der Ausbeutung von Menschen in prekärer ebenslage entgegen zu wirken. Der Mindestlohn gilt seit dem 01.01.2015 bundesweit.

  • Spezielle Maßnahmen für Kinder und Jugendliche finden Sie auch in den nachfolgenden Navigationsbereichen, zum Beispiel zur „Jugendarbeit" bzw. „Jugendsozialarbeit".
Kinder auf einer Wiese
zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln