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Juliane Bartel Medienpreis 2011

Am 3. November 2011 wurde der Juliane Bartel Medienpreis im Landesfunkhaus Hannover verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten neben dem Preisgeld eine Skulptur der Künstlerin Ulrike Enders. Insgesamt ist der Preis mit 12.000 Euro dotiert .

Die prämierten Autorinnen und Autoren und ihre Beiträge:

Kategorie Fernsehfilm und Fernsehserie

„Das Fremde in mir" von Emily Atef und Esther Bernstorff, Arte

„Das Fremde in mir" ist ein bewegender Film über die postnatale Depression - umgangssprachlich Babyblues genannt - einer jungen Mutter und ihren Weg zur Heilung. Auf packende, aber zugleich schonungslos analysierende Weise schildern die Autorinnen den Kampf dieser Mutter um eine Bindung zu ihrem Kind. Damit greift der Film mutig ein brisantes, gesellschaftlich hoch tabuisiertes Thema auf - mit leisen Tönen, aber dennoch nachhaltig beeindruckend in seiner Wirkung. Ein subtiles, überzeugendes Werk - nicht zuletzt auch durch die eindrucksvolle Leistung seiner Darstellerinnen und Darsteller.

Kategorie Dokumentation, Reportage, Feature, Magazinbeitrag, unter 10 min

„Schlegl in Aktion: Es geht auch ohne Frauen!" von Janina Kalle und Tobias Schlegl, NDR

Moderator Tobias Schlegl ist in Sachen Frauenquote unterwegs - Titel seiner Kampagne: „Es geht auch ohne Frauen!" In Frankfurter Bars und Kneipen befragt er seine Geschlechtsgenossen zu ihrer Meinung über Frauen in Führungspositionen. Entlarvend, fast witzig - wenn es nicht so traurig wäre! - sind die Antworten, die Schlegl erhält. Der Beitrag zeichnet auf satirische Weise ein reales Bild über Meinungen von Männern.

Kategorie Dokumentation, Reportage, Feature, Magazinbeitrag, länger als 10 min

„Mein Leben - Seyran Ates" von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach, ZDF (Arte)

Die Frauenrechtlerin, Juristin und Migrationsforscherin Seyran Ates fordert eine sexuelle Revolution im Islam. Schon früh verließ sie ihre Familie, weil sie frei sein und nicht als „Hure" tituliert werden wollte, nur weil sie sich verliebt hatte.

Ates setzt sich für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben von Frauen ein, wurde dafür beschimpft, sogar körperlich angegriffen und bekam wegen ihrer Veröffentlichungen auch noch Morddrohungen.

Der Film gibt einen direkten - fast intimen - Einblick in das Leben und zeigt das unermüdliche Engagement von Seyran Ates. Ihr Wirken kann als ein unverzichtbarer Teil auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft und zu gelingender Integration verstanden werden.

Kategorie Hörfunk

„Eine unvernünftige Frau - Diane Wilson" von Dr. Gerit von Leitner, WDR

Bei dem ausgezeichneten Hörfunkbeitrag handelt es sich um ein hoch professionell sowie gleichsam liebevoll gestaltetes Portrait über Diane Wilson, einer Ikone der amerikanischen Umweltbewegung. Auf eindrucksvolle Weise ist es der Autorin gelungen, durch eine Kombination hervorragend ausgewählter O-Töne, atmosphärischer Dichte und Faktenreichtum den Hörerinnen und Hörern eine bewundernswerte, ungewöhnliche wie mutige Frau nahe zu bringen und dabei das oft zitierte „Kino im Kopf" zu erzeugen.

Die Jury 2011

  • Tayfun Bademsoy (Schauspieler)
  • Silke Baumgarten (Redaktion Brigitte)
  • Susanne Broß (Studioleiterin RTL Nord)
  • Maria Gresz (Moderatorin SPIEGEL-TV, Journalistin)
  • Andreas Neumann (Leiter ARD-Aktuell, Radio Bremen)
  • Lisa Ortgies (Moderatorin frau-TV, Journalistin, Autorin)
  • Judith Rakers (Tagesschau-Sprecherin, Journalistin, Fernsehmoderatorin)
  • Carmen Thomas (Journalistin und Autorin, 1. Moderationsakademie für Medien und Wirtschaft)

Die Nominierungen 2011

Hörfunk

  • „Starke Frauen - Pinar Selek" von Melahat SimsekPinar Selek kämpft für die Rechte von Kurden und Homosexuellen in der Türkei und setzt sich für Prostituierte und Straßenkinder ein. Der Beitrag beschreibt ihr Wirken für die Demokratie und die Reaktion des türkischen Staatsapparates.
  • „Eine unvernünftige Frau. Diane Wilson, Fischerin" von Dr. Gerit von LeitnerWDR
    Der Beitrag wirft einen den Blick auf eine starke und unabhängige Frau in einem eher männlich besetzten Beruf. Die amerikanische Fischerin Diane Wilson schildert ihren Kampf gegen die Verschmutzung des Meeres und ihre Aktivitäten gegen Großkonzerne.
  • „Pinkjob - Wie sich Berufsfelder verändern, wenn der Frauenanteil wächst" von Henriette Wregerbb-Kulturradio
    Der Beitrag beschreibt die Änderung der Geschlechterverhältnisse in akademischen Berufen. An Beispielen wird belegt, dass das Einkommen in bestimmten Berufsfeldern sinkt, wenn Frauen in bisher von Männern dominierten Bereichen tätig sind.
  • „Bartlos: Gleich ist nicht gleich Gleich" von Katharina GuleikoffRadio Jade
    Im Interview über den equal pay day werden die Lohnungleichheit diskutiert und damit zusammenhängende Barrieren und strukturelle Bedingungen beleuchtet.

Fernsehfilm und Fernsehserie

  • „Mein Freund aus Faro" von Nana Neul WDR (ARD)
    Als die burschikose Mel von der hübschen Anhalterin Jenny für einen jungen Mann gehalten wird, ergreift sie die Chance und erfindet sich neu. Zuhause ist sie das jungenhafte Mädchen; im Kontakt mit Jenny ist sie der verliebte, gut aussehende junge Mann. Tabus wie Transsexualität und Homosexualität werden sensibel und einfühlsam abgebildet.
  • „Fräulein Stinnes fährt um die Welt" von Erica von MoellerWDR (ARD)
    Industriellentochter und Rennfahrerin Clärenore Stinnes umrundet 1927 mit einem Auto als erste Frau die Welt. Mit zwei Mechanikern und einem Kameramann macht sich die junge Frau auf den 48.000 km langen Weg und verlangt großen Einsatz von ihrem Team. Ein unterhaltsamer aus Spielfilmpassagen und Originalaufnahmen bestehender Film über eine mutige Frau.
  • „Kehrtwende" von Johannes RotterWDR
    Lehrer Thomas Schäfer lebt mit Frau und zwei Kindern in einem Reihenhaus. Die Idylle trügt: In scheinbar angespannten Situationen rastet Schäfer aus. Er verprügelt und tritt seine Frau brutal - auch der Sohn bekommt Schläge. Der Film zeigt realistischden Gewaltkreislauf bei häuslicher Gewalt, das Leiden der Beteiligten und den typischen Umgang der Freunde und Bekannten damit.
  • „Das Fremde in mir" von Emily Atef, Esther BernstorffArte
    Rebecca und ihr Mann freuen sich auf ihr erstes Kind. Nach der Geburt kann die junge Frau keine Beziehung zu ihrem Sohn aufbauen. Sie fällt in eine schwere Depression und ist unfähig, ihren Alltag mit einem Kind, das sie nicht annehmen kann, zu meistern. Die Geschichte führt heran an das Tabu, dass manche Frauen ihr Kind (zunächst) nicht lieben können und zeigt außerdem, wie eine Partnerschaft gelingen kann.

Dokumentation, Reportage, Feature, Magazinbeitrag bis zu einer Länge von 10 Minuten

  • „Rechtsradikale Frauen" von Janine Stolpe-KrügerWDR
    Im Mittelpunkt der Reportage steht ein noch weitgehend unbekanntes Phänomen: Inzwischen ist jeder 5. Neonazi weiblich, nicht nur als Mitläuferin. Frauen erscheinen harmlos, über Engagement in Elternräten oder Sportvereinen können sie großen Einfluss ausüben. Wer in der rechtsradikalen Szene recherchiert, wird verfolgt und bedroht; zu würdigen ist auch die Journalistin Andrea Röpke, die seit 17 Jahren „am Thema dran bleibt".
  • „Schlegl in Aktion: Es geht auch ohne Frauen" von Janina KalleNDR
    Moderator Tobi Schlegl ist in Frankfurt unterwegs. In Bars und Kneipen befragt er Männer zu Frauen in Führungspositionen. These: Es geht auch ohne Frauen. Schlegl muss nicht lange suchen, um Männer zu finden, die der gleichen Meinung sind. Der sarkastische Beitrag zeigt uns, was Männer „auf der Straße" über die Frauenquote denken.
  • „Marokko: Scheidung auf islamisch" von Christian von Brockhausen, Naima El MoussaouiNDR
    Marokko ist eines von zwei islamischen Ländern, in denen eine Scheidung möglich ist. 28.000 Frauen machen jährlich von diesem hart erkämpften Recht Gebrauch. Die Kehrseite: Eine geschiedene Frau findet in Marokko keinen neuen Mann mehr, sie gilt als "gebraucht". Zudem sind die Männer gesetzlich nicht ausreichend zum Kindesunterhalt verpflichtet. Anschauliche Darstellung einer halbherzigen Reform, die gravierende Benachteiligungen von Frauen zur Folge hat.
  • „Frauenquote" von Gita DattaNDR
    Auch in den großen Medienhäusern sind Frauen in Führungspositionen noch selten anzutreffen. Allein die taz hat als überregionale Zeitung eine Chefredakteurin. Der "SPIEGEL" fordert in einer Titelgeschichte zwar eine Frauenquote, bildet im Vergleich mit sieben Prozent Frauen in Führungspositionen jedoch das Schlusslicht. Pointierte Darstellung der Männerherrschaft in den Printmedien.
  • „Aus Mangel an Beweisen -der Kampf von Vergewaltigungsopfern um ihr Recht" von Gitti Müller, Andrea Kathage-MiosgaWDR (ARD)
    Viele Frauen scheuen sich, nach einer Vergewaltigung Anzeige zu erstatten. „Für die Frau ist es eine Tortur" sagt ein Generalstaatsanwalt. In Deutschland werden die wenigsten Täter verurteilt und 80 Prozent der Verfahren werden eingestellt. Betroffene Frauen berichten: Schuld, Scham und Angst sind prägende Gefühle nach der Tat.

Dokumentation, Reportage, Feature, Magazinbeitrag mit einer Länge von mehr als 10 Minuten

  • „Mein Leben - Seyran Ates" von Sabine Jainski, Ilona KalmbachZDF (Arte)
    Die Frauenrechtlerin, Juristin und Migrationsforscherin Seyran Ates fordert eine sexuelle Revolution im Islam. Sie will nicht als "Hure" gelten, nur weil sie sich verliebt. Sie setzte sich für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen ein, wurde beschimpft und bekam wegen ihrer Veröffentlichungen Morddrohungen. Der Beitrag würdigt das Wirken einer streitbaren Frau.
  • „Menschen hautnah: Rollentausch" von Tanja Reinhard WDR
    Drei berufstätige Väter gehen in Elternzeit, ihre Partnerinnen sind voll erwerbstätig. Die Autorin begleitet über einen längeren Zeitraum, wie sich die Männer um Haushalt und Kinder kümmern; wie sich die Aufgaben- und Rollenverteilung der Paare gestaltet. Offenbar ist es nicht so einfach, eine neue unbekannte Rolle einzunehmen und eine andere, bisher gelebte Rolle ganz loszulassen.
  • „Loverboys: Vom Schulmädchen zur Hure" von Jessica Golatka RTL
    Der Beitrag zeigt, wie die erste große Liebe für junge Mädchen zum Alptraum wird. Sie sind an sogenannte Loverboys geraten. Die Männer gewöhnen die Mädchen an Sex mit fremden Männern, werden zu ihren Zuhältern, schicken sie nach der Schule auf den Strich, lassen Vergewaltigungen zu. Aufklärung tut Not, noch ist das Phänomen in Deutschland nicht hinreichend bekannt.
  • „Arrangiertes Glück" von Daniela Dar-Creutz BR
    Die 27-jährige Waheeda aus Kashmir gibt ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden, auf und willigt in eine Heirat ein. Nach alter Tradition sucht der Bruder nach einem geeigneten Mann um die Hochzeit zu arrangieren. Die Regisseurin Daniela Creutz begleitet diese Suche mit der Kamera, und lebt bei der Familie. Der Film liefert ein authentisches Bild vom Leben in Kaschmir und zeigt den mühsamen Prozess einer traditionellen Partnersuche durch die Familie.
  • „Wir haben abgetrieben - Das Ende eines Schweigens" von Birgit Schulz, Annette Zinkant NDR (Arte)
    "Wir haben abgetrieben" - vor 40 Jahren sorgten 374 Frauen im „Stern" für Aufsehen. Viele Prominente setzten sich mit der Kampagne für die Abschaffung des Paragrafen 218 ein. Der Beitrag zeigt historische Bilddokumente und Interviews. Wir werden an einen zentralen Meilenstein der Frauenbewegung erinnert und erfahren ein Stück Zeitgeschichte.
  • „Das Dschungelradio" von Susanne Jäger WDR (3Sat)
    Yamileth Chavarria betreibt in Nicaragua eine kleine Radiostation. Mit ihren Beiträgen will sie den Frauen ein Forum geben, die vergewaltigt oder geschlagen werden. Für viele Männer in Nicaragua ist es "normal" ihre Frauen zu misshandeln, die Polizei sieht weg. Chavarria engagiert sich auch in einem Frauenzentrum; dort werden die Frauen auch über Gesundheit und Hygiene aufgeklärt. Das Porträt einer beherzten Frau, die gegen gesellschaftliche Missstände kämpft.
Juliane Bartel Medienpreis
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