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Juliane-Bartel-Preis 2004 - Die preisgekrönten Beiträge -

Sieben Autorinnen und Autoren ausgezeichnet


Die Fernsehautorinnen und –autoren Susanne Babila (Stuttgart), Dagmar Brendecke und Walter Brun (Berlin), Eva Schmitz und Karsten Deventer (Berlin) und Luc Walpot (ZDF-Büro Kairo) sind mit dem Niedersächsischen FrauenMedienPreis 2004 ausgezeichnet worden.

Der Sonderpreis für eine besondere journalistische Leistung im Bereich Hörfunk wurde an Dr. Eva Schindele (Bremen) vergeben.

Einen als Fortbildung an der Moderatorenakademie für Medien und Wirtschaft gestifteten Förderpreis für den journalistischen und künstlerischen Nachwuchs erhielt Gabriele Lüeße (Kiel), Autorin und Nachrichtenpräsentatorin des NDR-Schleswig-Holstein-Magazins.

Die Preisträger wurden aus 16 nominierten Beiträgen ausgewählt. Der Jury unter Leitung von Helga Schuchardt gehörten außerdem Bettina Böttinger, Dr. Krischan Koch, Giovanni di Lorenzo, Dr. Jutta Röser, Reinhard Scheibe und Carmen Thomas an. An dem bundesweit ausgeschriebenen Preis, der nach der 1998 verstorbenen Fernsehjournalistin Juliane Bartel benannt ist, hatten sich insgesamt über 90 Autorinnen und Autoren mit Wettbewerbsbeiträgen beteiligt.

Unterstützt wurde der "Juliane-Bartel-Preis" auch 2004 wieder von zahlreichen Kooperationspartnern. Der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband, die Niedersächsische Lottostiftung, die Stiftung Leben und Umwelt und die Niedersächsische Landesmedienanstalt stellten Preisgeld, Skulptur und Geld für die Preisverleihung, die Moderatorenakademie für Medien und Wirtschaft den Förderpreis zur Verfügung, während der NDR als Gastgeber, Radio Bremen, das ZDF, die MultiMedia Berufsbildenden Schulen, der Landesfrauenrat, die LAG kommunaler Frauenbüros und die Vernetzungsstelle für Frauenbeauftragte und Gleichberechtigung die Ausschreibung, Auswahl und Preisverleihung mit großem Engagement ideell unterstützt haben.

Die Bewertungen der Jury:

Kategorie: Information und Dokumentation
(Langbeiträge)

1. Preis (4.000 € und eine Skulptur)
"Türkische Hochzeitsreisende – Familienehre vor Liebe" (45 Min.)
von Susanne Babila
(ausgestrahlt im SWR)
Auf ihrer Filmreise durch das "türkische Deutschland" geht die Autorin den Spuren von Zwangsheirat und Scheidung nach. Eindrucksvoll gelingt es ihr, in die Gefühls- und Gedankenwelten ihrer deutsch-türkischen Interviewpartner/innen vorzudringen. Am Schluss dieses emanzipatorischen wie aufdeckenden Beitrages wird deutlich, dass das Jahrzehnte währende Wegschauen der deutschen "Mehrheitsgesellschaft" gegen diese Form der Menschenrechtsverletzung ein Ende haben muss.

2. Preis (1.000 €)
"Der tödliche Schuss" (59 Min.) von Dagmar Brendecke und Walter Brun
(ausgestrahlt bei ARTE)

Der Beitrag erzählt in spannender wie subtiler Weise wie eine Polizistin damit lebt, einen Menschen getötet zu haben. Sie hat einen Bankräuber in Notwehr erschossen, ihr Leben und das anderer geschützt und fühlt sich dennoch schuldig. Letztendlich verlässt sie den Polizeidienst. Stilistisch konsequent, in raffinierter Schnitttechnik veranschaulicht der Film die völlig unterschiedlichen psychologischen Verarbeitungsformen der an dem Vorgang Beteiligten. Er lässt sie zu Wort kommen und holt die Zuschauer sukzessive in das Geschehen hinein.

Kategorie: Information und Dokumentation
(Kurzbeiträge)

1. Preis (2.000 € und Skulptur)
"Zwangsprostituierte" (7 Min.) von Eva Schmitz und Karsten Deventer

(ausgestrahlt im ZDF)
Ein Beitrag gegen das Vergessen: Während des 2. Weltkrieges wurden Tausende von Frauen und Mädchen von der deutschen Wehrmacht verschleppt und in den KZ`s zur Prostitution gezwungen. Jahrzehntelang wurde diesen Schicksalen keine Aufmerksamkeit gewidmet. Behutsam und ohne reißerische Absicht gelingt es den Autoren, Opfer, ihre Nachfahren und Augenzeugen zum Sprechen über dieses Tabuthema zu bringen. Der Beitrag macht betroffen, umso mehr als er nicht nur in die Vergangenheit hineinreicht.

2. Preis ( 1.000 €)
"Pas de Deux der Religionen" (9 Min.) von Luc Walpot

(ausgestrahlt im ZDF)
Portraitiert wird die schiitische Leiterin einer kleinen Ballettschule in Bagdad – von ihr gegen alle Widerstände geführt, um so ein Zeichen für einen modernen, nicht rückwärts gewandten Irak zu setzen. Hier tanzen christliche Mädchen mit sunnitischen Jungen und beweisen so, dass ein Nebeneinander von Religionen und Kulturen möglich ist. Gedreht unter denkbar schwierigen Produktionsbedingungen zeigt der Beitrag auf ermutigende und zugleich anrührende Weise ein kleines "normales" Alltagsprojekt inmitten einer großen Katastrophe.

Sonderpreis:
Besondere journalistische Leistung im Bereich Hörfunk (4.000 € und Skulptur)

Dr. Eva Schindele
Ausschnitt aus der Sendung: "Der Hormonkrimi/Wie die Wechseljahre zur Krankheit wurden" 60 Min.
(vorgeschlagen vom Westdeutschen Rundfunk)
Die Autorin Dr. Eva Schindele setzt sich seit vielen Jahren mit hoher Sachkompetenz und Beharrlichkeit mit Themen im Bereich Frauengesundheit auseinander. In ihrem inhaltlich und formal abwechslungsreich wie spannend gestalteten Feature "Der Hormonkrimi" behandelt sie ein lange auf sträfliche Weise vernachlässigtes Thema: die jahrzehntelange bedenkenlose Vergabe von Hormonpräparaten an Frauen in den Wechseljahren und die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen. Dabei deckt sie auch die dahinterstehenden massiven ökonomischen Interessen auf.

Juliane Bartel-Preis
Artikel-Informationen

18.03.2010

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