Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Juliane-Bartel-Preis 2002 - Die preisgekrönten Beiträge -

Die Jury unter Vorsitz von Ministerin a.D. Helga Schuchardt vergab vier Hauptpreise in Höhe von jeweils 3000 Euro. Die Preisträgerinnen wurden außerdem mit einer von der hannoverschen Künstlerin Ulrike Enders eigens für diesen Preis geschaffenen Skulptur geehrt.

Sie finden im Folgenden die preisgekrönten Beiträge und das Votum der Jury:

"Will einmal bis zur Sonne geh’n" von Petra Mäussnest, ausgestrahlt beim ZDF

Der Dokumentarfilm spiegelt anschaulich das Leben und die unterschiedlichen Vorstellungen von drei jungen deutschen Rapperinnen, die es geschafft haben, sich in der männerdominierten HipHop-Szene einen Namen zu machen. Gelungen ist der Autorin ein gleichermaßen aufschlussreiches wie unterhaltsames und lebendiges Portrait, das die drei Protagonistinnen als selbstbewusst agierende und daher positive Identifikationsfiguren darstellt und einen Einblick in ihr Lebensgefühl bietet – ein Gegenentwurf zur derzeit populären inszenierten "Popstar-Kultur".

"FELDTAGEBUCH – Allein unter Männern" von Aelrun Goette, ausgestrahlt beim SWR

Der Film beobachtet einige Wochen lang vier der ersten Frauen bei der Bundeswehr. Kommentarlos aber scharf dokumentiert er die Zeit der Grundausbildung und entlarvt dabei die autoritären und zerstörerischen Strukturen einer Männerwelt, die mitten in Deutschland auf eine Art und Weise Krieg spielt, die ebenso skandalös wie auf subtile Weise gewalttätig ist. Der Einbruch des Weiblichen in die Männerwelt zeigt, wie fremd zwei Welten einander sind, die unversöhnlich aufeinanderprallen. Am Ende entlarvt sich die Schikane, die sich auf Leistung und Kameradschaft beruft, als das, was sie ist: Ein Nährboden von Gewalt, Frustration und Erniedrigung.

"Ima" von Catarina Klusemann, ausgestrahlt bei ARTE.

In dieser fesselnden und überzeugend inszenierten Dokumentation erzählt die Autorin die Geschichte der Frauen ihrer Familie. Beharrlich und engagiert verfolgt sie ihr Ziel, etwas über ihre Wurzeln und insbesondere die Vergangenheit ihrer Großmutter zu erfahren. Unwillkürlich begleiten sie die Zuschauer auf ihrer Zeitreise und nehmen teil, wie ein lang gehütetes Geheimnis der Familie allmählich und schmerzhaft enthüllt wird: Die lang verdrängten Erlebnisse der Großmutter während Krieg und Verfolgung und die Auswirkungen auf familiale Strukturen. Im Ergebnis ermutigt der Beitrag auch zum Dialog zwischen den Generationen.

"Der unheilige Krieg – Im Reich der Finsternis II" von Saira Shah, ausgestrahlt beim ZDF.

Der Beitrag knüpft an den ersten Teil von "Im Reich der Finsternis" an, in dem die Autorin unter Einsatz ihres Lebens und unter größten Entbehrungen das von den Taliban beherrschte, verwüstete Afghanistan bereiste, um mutige, widerständige Frauen zu zeigen und zu Wort kommen zu lassen. Im zweiten Teil begibt sie sich erneut auf gefährliche Spurensuche, insbesondere nach drei kleinen Mädchen, deren Schicksal sie nie losgelassen hat. Ein erneut bewegender, eindringlicher wie hoch informativer Beitrag.

Juliane Bartel-Preis
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