Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Interministerieller Arbeitskreis zur Strategie gegen Antibiotikaresistenz (IMAK-StArt) legt Zwischenbericht vor – erste Erfolge: weniger antibiotische Tierarzneimittel werden ausgegeben – MRSA in Niedersachsens Kliniken auf dem Rückzug

Antibiotikaresistenzen gehören zu den vordringlich zu lösenden Problemen im Bereich der Gesundheit von Mensch und Tier. Daher hat die Niedersächsische Landesregierung in einem im Juni 2015 eingesetzteninterministeriellen Arbeitskreis (IMAK-StArt) Schwerpunkte für eine gemeinsame ressortübergreifende Strategie entwickelt - und legt jetzt einen Zwischenbericht vor. Ziel ist es, den Anteil antibiotikaresistenter Bakterien zu begrenzen. Landwirtschaftsministerium, Umweltministerium, Wissenschaftsministerium sowie Sozial- und Gesundheitsministerium können erste Erfolge verzeichnen:

Seit der Vorstellung einer grundsätzlichen Strategie mit mehreren Handlungsfeldernim Februar 2016 wurden diverse Maßnahmen neu initiiert, bewährte Projekte fortgesetzt. Zahlreiche Maßnahmen orientieren sich am One-Health-Ansatz, das heißt alle relevanten Bereiche der Humanmedizin, der Veterinärmedizin, der Landwirtschaft und der Umwelt werden in die Konzepte und Maßnahmen einbezogen. „Die Gesundheit von Mensch und Tier, das Lebensmittelangebot und Umweltaspekte, das alles hängt eng zusammen - bei kaum einem Thema wird dies so deutlich wie bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen", sagt Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt.

In der Humanmedizin ist der Anteil von MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) bezogen auf alle Staphylococcus-aureus-Nachweise im stationären Bereich von 25 Prozent im Jahr 2010 auf knapp 18 Prozent im Jahr 2015 gesunken.

Im Rahmen unterschiedlicher Aktivitäten in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen wurden bereits große Fortschritte gemacht. „Seit Inkrafttreten der 16. Arzneimittelgesetz-Novelle in Niedersachsen zusammen mit Tierärztinnen und Tierärzten sowie landwirtschaftlichen Betrieben in anderthalb Jahren konnten wir einen Rückgang der Therapiehäufigkeit um 59 Prozent bei Mastschweinen, um 40 Prozent bei Masthühnern und um 34 Prozent bei Mastputen erzielen. Das ist ein großer Erfolg unserer gemeinsamen Antibiotikaminimierungsstrategie mit dem Ziel der Halbierung des Antibiotikaeinsatzes in fünf Jahren", sagt Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Große Sorge bereite ihm aber der Mengenanstieg bei den Fluorchinolonen, die zu den sogenannten Reserveantibiotika in der Humanmedizin zählen. Hier gilt weiter die Forderung des Landes an den Bund, die Verwendung von Reserveantibiotika in der Tierhaltung stark zu beschränken oder ausschließlich für die Humanmedizin vorzusehen.

Nach Etablierung eines Antibiotikaminimierungskonzeptes kann in Niedersachsen ein Rückgang der Gesamtmenge der an Tierärztinnen und Tierärzte abgegebenen antibiotischen Tierarzneimittel um rund 15 Prozent im Jahre 2014 gegenüber 2013 verzeichnet werden. Die abgegebene Menge an Antibiotika und anderen antibakteriell wirksamen Stoffen hat sich dann erneut im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 um circa 35 Prozent reduziert. Das sei, so Umweltminister Stefan Wenzel, ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung: „Antibiotika haben in unserem wichtigsten Lebensmittel, dem Trinkwasser, nichts verloren. Um auf End-of-pipe-Lösungen, also auf nachgeschlagene Umweltschutzmaßnahmen verzichten zu können, sollten Antibiotika daher nur eingesetzt werden, wenn es zwingend erforderlich ist. Nur so können wir der gefährlichen Antibiotikaresistenz maßgeblich entgegenwirken."

Weitere Schwerpunkte der IMAK-StArt-Maßnahmen sind die Fort- und Weiterbildung sowie Weiterentwicklung von Informationsmaterialien für den human- und veterinärmedizinischen Bereich. Hierbei werden auch neue Online-Medien entwickelt. Außerdem wird im Sinne des One-Health-Gedanken die engere Kooperation der beteiligten Ressorts in unterschiedlichen Verbundprojekten auf nationaler und internationaler Ebene gestärkt. Hier sollen beispielsweise Daten der Überwachung aus dem Human-, Veterinär- und Umweltbereich aufeinander abgestimmt und Übertragungsrisiken zwischen Mensch und Tier erfasst werden.

Die guten Erfahrungen der regionalen Netzwerkbildung unterschiedlicher Einrichtungen des Gesundheitswesens aus EU-Projekten mit den Niederlanden sollen auf ganz Niedersachsen ausgedehnt werden. Hierfür wurde am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt ein Koordinator eingesetzt.

All diese Fortschritte zeigen, dass koordinierte Maßnahmen durchaus zu nennenswerten Fortschritten führen können. Die Landesregierung wird der Bildung und Verbreitung neuer Resistenzen weiter engagiert entgegenwirken.

Labor

Das Symbolfoto zeigt einen Labormitarbeiter der MHH

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