Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Prävention salafistischer Radikalisierung

Aufbau eines landesweiten Beratungsangebotes


Am 10.12.2014 wurde der Trägerverein der niedersächsischen Präventionsstelle gegen neo-salafistische Radikalisierung "beRATen" in Hannover gegründet. Quelle: dpa
Am 10.12.2014 wurde der Trägerverein der niedersächsischen Präventionsstelle gegen neo-salafistische Radikalisierung "beRATen" in Hannover gegründet. Quelle/copyright: dpa

Radikalisierung

Bei dem Phänomen der salafistischen Radikalisierung handelt es sich nicht um ein rein integrationspolitisches oder religiös bedingtes Problem, sondern um ein gesellschaftliches und soziales Problem (nach allgemeinen Schätzungen sind etwa ca. 10% - 20% der Salafisten Konvertiten).

Betroffen sind vor allem junge Erwachsene in der Postadoleszenz, die mit der eigenen Lebensplanung überfordert scheinen. Betroffene Jugendliche haben sowohl deutsche Sozialisationserfahrung, können aber auch eigene oder familiäre Zuwanderungserfahrung haben. Ihre Radikalisierung erfolgt über soziale Netzwerke, das Internet, durch gezielte Anwerbung und in einschlägigen Moscheen. Betroffene sind in der Regel nicht die theologisch Gebildeten, eher wiederholen sie Gehörtes. Die Bereitschaft körperliche Gewalt anzuwenden, ist eher hoch, wofür sie in den jeweiligen Gruppierungen Anerkennung erhalten, - Anerkennung, die ihnen in Familie, Schule und bisherigem Umfeld offenbar fehlte.


Die Ideologie

Der Islamismus ist eine politische Ideologie, deren Anhänger sich auf religiöse Normen des Islams berufen und diese politisch ausdeuten. Auch wenn der Begriff des Islamismus auf den Islam hindeutet, so ist doch diese politische Ideologie deutlich von der durch das Grundgesetz geschützten Religion des Islams zu trennen. Islamisten sehen in der Religion des Islams nicht nur eine Religion, sondern auch den rechtlichen Rahmen für die Gestaltung aller Lebensbereiche: Von der Staatsorganisation über die Beziehungen zwischen den Menschen bis ins Privatleben des Einzelnen. Islamismus beginnt dort, wo religiöse islamische Normen als für alle verbindliche Handlungsanweisungen gedeutet und - bisweilen unter Zuhilfenahme von Gewalt - durchgesetzt werden sollen. In seinem Absolutheitsanspruch widerspricht der Islamismus in erheblichen Teilen der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere werden durch die islamistische Ideologie die demokratischen Grundsätze der Trennung von Staat und Religion, der Volkssouveränität, der religiösen und sexuellen Selbstbestimmung, der Gleichstellung der Geschlechter sowie das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verletzt.

Der Salafismus ist eine besonders radikale und die derzeit dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland, aber auch international. Salafisten glorifizieren einen idealisierten Ur-Islam des 7./8. Jahrhunderts und versuchen dem Propheten Mohammed und den Muslimen jener Zeit in ihrer Religionsausübung und Lebenspraxis nachzueifern. Leitfaden dafür ist der wörtlich verstandene Koran und die Tradition des Propheten (schriftlich festgehalten in der Sunna). Alle Entwicklungen im Islam, die nach der islamischen Frühzeit eingesetzt haben, wie etwa die Entstehung der etablierten islamischen Rechtsschulen, aber auch liberale Formen des Islams, die Vereinbarkeit mit der Demokratie und die Gleichheit der Geschlechter, lehnen Salafisten ab. Sie sehen sich selbst als die einzig wahren Muslime.


Strategie

Die Landesregierung hat das Sozialministerium beauftragt, eine zivilgesellschaftliche Arbeitsstelle einzurichten und gemeinsam mit den islamischen Verbänden ein Konzept für die Struktur und die Arbeit einer solchen Stelle zu entwickeln. Mit dem Beratungsangebot zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung sollen Wege für die Abwendung von gewaltbezogener und extremistischer Ideologie und eine Reintegration in die Gesellschaft aufgezeigt werden. Dort werden Betroffene sowie insbesondere Familienangehörige, Freunde, und Bekannte aus dem privaten, schulischen und beruflichen Umfeld von Radikalisierung Betroffener junger Menschen Beratung und Unterstützung finden. Die Trägerschaft der Beratungsstelle wird dem im Dezember 2014 gegründeten Verein „beRATen e.V." übertragen.


Beratung, Hilfe und Unterstützung für Betroffene

Eine politische bzw. religiöse Radikalisierung ist ein komplexer, von vielfältigen individuellen, sozialen, psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflusster Prozess. Daher ist bei der Beratungsarbeit Professionalität unter Einbindung sozialpädagogischer und -psychologische Ansätze besonders wichtig. Im Frühjahr 2015 wird die Beratungsstelle in Hannover ihre Arbeit aufnehmen und landesweit Hilfe und Unterstützung für Betroffene und deren Umfeld anbieten. Bis dahin können sich Hilfesuchende über die Telefonhotline 0511 700 520 40 Rat und Unterstützung holen. Von dort erfolgt für konkrete Fälle ggf. auch eine Vermittlung von Beratern vor Ort.

Telefonhotline 0511 700 520 40  
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