Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Gesundheitsministerin Cornelia Rundt: “Die ausgezeichneten Krankenhäuser setzen Antibiotika angemessen ein, das ist ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung multiresistenter Keime“

Qualitätssiegel unterstützt Maßnahmen für einen sparsamen und gezielten Einsatz von Antibiotika


EurSafety  
(von links): Dr. Jörg Herrmann, Ministerin Cornelia Rundt, Dr. Matthias Pulz, Prof. Alex Friedrich und Dr. Dagmar Rocker

48 Krankenhäuser aus der Ems-Dollart-Region (EDR) sind heute in Oldenburg mit dem zweiten EurSafety-Qualitätssiegel ausgezeichnet worden. Um das Siegel zu erhalten, mussten die teilnehmenden Krankenhäuser in den vergangenen zwei Jahren zehn Qualitätsziele erreichen. Ein Schwerpunkt lag auf dem rationalen Einsatz von Antibiotika.

„Antibiotika sind wertvolle Medikamente, die sparsam und gezielt eingesetzte werden müssen, damit sie auch zukünftig wirksam bleiben", sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt. „Mit der Entwicklung und Umsetzung von Antibiotika-Standards haben die ausgezeichneten Krankenhäuser vorbildliche Arbeit geleistet, das ist ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung multiresistenter Keime." Der Antibiotikaeinsatz musste im Rahmen des Siegels mindestens jährlich dokumentiert und hausinternen bewertet werden. Ziel war die Entwicklung von Antibiotika-Standards, die für das gesamte Krankenhaus gültig sind. Hierdurch sollte der gezielte und angemessene Einsatz von Antibiotika unterstützt und gefördert werden.

Ein weiteres zentrales Thema des Qualitätssiegels war die Bekämpfung multiresistenter gramnegativer Erreger (MRGN). „Die Ausbreitung multiresistenter gramnegativer Erreger muss im Krankenhaus unter allen Umständen verhindert werden", betonte Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und Regionalkoordinator des Projekts. „Um dies zu erreichen, ist die frühzeitige Erkennung und ein abgestimmtes Vorgehen von zentraler Bedeutung." Gefordert war u.a. die Einrichtung eines standardisierten Hygienemanagements, zu dem auch die Festlegung von Risikobereichen für das Auftreten von multiresistenten Erregern gehört. Die Umsetzung von Hygienestandards musste im Rahmen von Begehungen durch die örtlichen Gesundheitsbehörden nachgewiesen werden.

„Die Themen Antibiotikaeinsatz und multiresistente Keime stehen derzeit in vielen Krankenhäusern ganz oben auf der Themenliste", sagte Dr. Jörg Herrmann, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene des Klinikums, Evangelischen Krankenhauses und Pius-Hospitals Oldenburg. „Das EurSafety-Qualitätssiegel gibt den Krankenhäusern die Möglichkeit, ihre Strategien zielgerichtet weiterzuentwickeln und für die Patientinnen und Patienten sichtbar zu machen."

„Antibiotikaresistenzen sind eine der größten Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung", betonte Prof. Dr. Alex W. Friedrich, Projektleiter des Projekts EurSafety-Health-net, in dessen Rahmen die bisherigen Qualitätssiegel erarbeitet wurden - zukünftig werden sie in der EurSafety-Stiftung weitergeführt. „Nur durch die Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen in regionalen Netzwerken, aber auch grenzüberschreitend, können wir tragfähige Lösungen entwickeln."

Qualitätssiegel werden auch ein Teil des grenzüberschreitenden, durch die EU und Interreg geförderten Projekts EurHealth-1Health sein, das im April 2016 gestartet ist. An diesem Projekt, das ebenfalls von Prof. Friedrich geleitet wird, werden neben Vertretern der Humanmedizin auch Organisationen aus dem Veterinär- und Umweltsektor beteiligt sein. Im Mittelpunkt stehen zentrale Herausforderungen der Gesundheitsversorgung: die Bekämpfung von Infektionen, die durch besonders resistente Mikroorganismen verursacht werden, sowie die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen bei Menschen und Tieren. Die damit verbundenen Risiken für Patienten und die öffentliche Gesundheit sollen nachhaltig gesenkt werden. Da Bakterien nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch zwischen Tieren und Menschen ausgetauscht werden, begünstigt jede Antibiotikagabe, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen, die Resistenzentwicklung.

Stichwort

  • Stichwort "gramnegativ"

Wie dringend notwendig es ist, für die Wirksamkeit von Antibiotika zu kämpfen, zeigt zum Beispiel die Zunahme bei Infektionen durch antibiotikaresistente Darmbakterien in Krankenhäusern. In 2006 waren noch 2,8 Prozent der E. coli-Bakterien resistent gegen Cefotaxim, 2015 bereits 13,5 Prozent. Zunehmend werden bei diesen Bakterien auch Resistenzen gegen mehrere Antibiotikagruppen beobachtet (Multiresistente gramnegative Erreger / MRGN). Was bedeutet gramnegativ? Bakterien lassen sich mittels der nach ihrem Erfinder benannten Gram-Färbung einfärben und dann in unterschiedliche Gruppe unterteilen. Während grampositive Bakterien eine violette oder blaue Färbung annehmen, zeigen sich gramnegative Bakterien nach der Gramfärbung rot. Zu den gramnegativen Bakterien zählen u.a. Escherichia coli, Klebsiella und Enterobacter.


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