Seit dem 5. April 1992 gilt in Deutschland die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. 193 Länder haben diese Übereinkunft über die Rechte der Kinder mittlerweile unterzeichnet, sie gilt damit für nahezu zwei Milliarden Kinder der Erde! Die Kinderrechtskonvention enthält eigenständige Grundrechte der Kinder und signalisiert so, dass nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern mit Respekt zu begegnen ist. Je verbreiteter die Kenntnis über diese Übereinkunft ist, desto größer ist auch ihre Akzeptanz und Wirksamkeit.
Der Niedersächsische Kinder-haben-Rechte-Preis macht die Kinderrechte einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Wir setzen damit in jedem Jahr einen neuen Schwerpunkt. Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund hat das Land in 2011 zum 4. Mal den mit 9000 Euro dotierten Preis ausgeschrieben. „Zukunft statt Herkunft!": Unter diesem Motto stand in diesem Jahr der gemeinsame Preis des Kinderschutzbundes Niedersachsen und des Landes Niedersachsen für den Einsatz für Kinderrechte, mit dem drei Initiativen ausgezeichnet werden, die sich besonders für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund einsetzen. Aygül Özkan, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie Gesundheit und Integration sowie Schirmherrin des Preises hat die Auszeichnung überreicht.
„Alle Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf gleiche Chancen und Behandlung. Egal, ob Mädchen oder Junge, egal welche Hautfarbe sie haben, welche Sprache sie sprechen oder welche Religion sie haben", betonte Ministerin Aygül Özkan anlässlich der Preisübergabe.
Johannes Schmidt, der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen, hob hervor: „Wir gratulieren allen Initiativen und Projekten, die sich beworben haben! Die Auswahl der Preisträger war eine große Herausforderung für die Jury. Sehr beeindruckend ist das hohe - oft ehrenamtliche - Engagement für die Rechte der Kinder."
Die Ehrung hat im Kreis der Preisträger stattgefunden, die mit ihren Teams und natürlich den beteiligten Kindern und Jugendlichen angereist waren.
Die ausgezeichneten Projekte im Detail:
1.Platz (4.000 €): Jugendfeuerwehr Peine für das Projekt „Feuerwehr und Migration"
Dazu die Jury: „Gemeinsam sind wir stark!" diese Botschaft der Jugendfeuerwehr haben deren Vertreter in Peine bei einem Aktionstag im Juni 2011 ganz konkret umgesetzt und Bürger mit Migrationshintergrund über die Aufgaben und Ziele der Jugendfeuerwehr informiert. Das Besondere: Erstmals ist eine solche Veranstaltung in direkter Zusammenarbeit mit den Moscheen organisiert worden. Ganz nah an der Basis und mit sehr wenig Aufwand sind auf diese Weise direkte Schritte aufeinander zugemacht worden.
Die niedersächsische Jugendfeuerwehr gehört zu den traditionellen Jugendverbänden in unserer Gesellschaft. Vor allem im ländlichen Raum stellen sie eine stabile Größe in der Förderung des Gemeinwesens und des bürgerschaftlichen Engagements dar. Dabei sieht die Jugendfeuerwehr in ihrem eigenen Verständnis neben der feuerwehrtechnischen Aus- und Fortbildung ihre Aufgabe auch (und insbesondere!) in der Vermittlung von sozialen Kompetenzen und in der Beteiligung an demokratischen Prozessen. Das Erleben und „Mitmachen" und „Dabei sein" stehen im Zentrum der vielfältigen Gruppenaktivitäten.
„Etwa 35.000 Jugendliche sind in den über 1.900 Jugendfeuerwehren in Niedersachsen aktiv. Der Alterdurchschnitt der Jugendlichen wird immer geringer; so sind fast
71 % aller Jugendfeuerwehrmitglieder 14 Jahre und jünger; der Großteil ihrer Jugendfeuerwehrwarte/innen hat ein Alter von 26 bis 35 Jahren." (Homepage der NJF)
Dank ihrer vielen Mitglieder, ihres überregionalen Netzwerkes und mithilfe ihrer aktiven Jugendarbeit bieten sich der Jugendfeuerwehr als Organisation einmalige und äußerst effiziente Möglichkeiten für die Integration von Kindern und Jugendlichen. Das praktische Beispiel in Peine kann hierbei eine starke Signalwirkung für ganz Niedersachsen haben. Dies möchten wir mit unserer Ehrung hervorheben!
Die Ministerin zeichnete die Gewinner des KinderHabenRechtePreises 2011 in Hannover aus. Platz 1 belegte die Jugendfeuerwehr Peine für das Projekt „Feuerwehr und Migration“ (1/3)
2. Platz (3.000 €)
MENTOR - Leselernhelfer Hannover e.V. für das Projekt „Lese- und Sprachförderung für Schüler"
Dazu die Jury: Sprache gehört zum Fundament einer Gesellschaft und ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit wird von Sprache und Kommunikation geprägt - und hier spielt die Lesefähigkeit eine entscheidende Rolle. Lesen ist ein grundlegendes Instrument, welches es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, eine erfolgreiche Ausbildung zu absolvieren und ihren Platz in der Gemeinschaft auszufüllen.
Die Idee von MENTOR, mit speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Leselernhelferinnen und -helfern diesen Prozess aktiv zu unterstützen, gibt es seit dem Jahr 2003. Die Initiative ist bereits mehrfach für ihre hohe positive Wirkung öffentlich bekannt geworden. Über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus haben sich weitere Standorte gegründet. Es engagieren sich 1.800 Ehrenamtliche - allein in der Region und Stadt Hannover sind 172 Schulen beteiligte Partner. Die Förderung wirkt sich nach Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen eindeutig positiv von einer Stärkung des Selbstbewusstseins bis hin zu Gewaltprävention aus.
Inzwischen haben die Initiatoren den nächsten Schritt gemacht: Ausgehend von der Überzeugung, dass Migrantinnen und Migranten, die sowohl ihre Muttersprache als auch Deutsch sprechen und lesen, erfolgreicher als deutschstämmige Ehrenamtliche ihre Kinder mit Migrationshintergrund fördern können, werden nun zweisprachige Leselernhelfer gesucht. Seit September dieses Jahres hat der türkische Generalkonsul Tunca Özcuhadar die Aufgabe eines Leselernhelfers übernommen. In Zusammenarbeit mit türkischen Vereinen und Mitbürgerinnen und Mitbürgern wird nun das Netzwerk der Ehrenamtlichen vergrößert. Und damit ist noch längst kein Ende in Sicht - nach den nächsten zweisprachigen Engagierten wird bereits Ausschau gehalten. Dies hohe ehrenamtliche Engagement, welches eine auffallend positive Wirkung nach sich zieht, möchten wir gerne als besonders nachahmenswert in ganz Niedersachsen bekannt machen!
Den 2. Platz belegte MENTOR – Leselernhelfer Hannover e.V. für das Projekt „Lese- und Sprachförderung für Schüler“. (2/3)
3. Platz: (2.000 €)
IGS Kronsberg Hannover in Kooperation mit Corinna Luedtke für das Projekt „Du und ich - Vielfalt als Chance"
„Vorurteile sind immer gefährlich!" Mit diesem Zitat eines der mitwirkenden Schülers werden die Inhalte und Ergebnisse des Projektes „Du und ich - Vielfalt als Chance" prägnant zusammengefasst. Eine Arbeitsgemeinschaft von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 und 9, die unter der Anleitung der Laatzener Schriftstellerin Corinna Luedtke an der IGS Kronsberg Hannover über den Zeitraum eines halben Jahres stattgefunden hat, hat sich auf kreativem Weg mit ihrem Alltag auseinandergesetzt. Was beschäftigt Jugendliche in Schule, Nachbarschaft und Freizeit? Welche Probleme und Fragen tauchen auf? Dass dabei Themen wie Migration und Integration bis hin zu Mobbing, Gewalt und Rassismus eine Rolle spielen, wird einprägsam deutlich. Entstanden sind im Rahmen eines Schreibprojektes Texte, in denen die Schülerinnen und Schüler auf ganz individuelle Weise ihre Erfahrungen und Erlebnisse darstellen. Viele der durchaus drastischen Schilderungen zeigen auch Lösungen.
Die Arbeiten, die Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund miteinander verfasst haben, sind in einem Buch veröffentlicht worden. Darüber hinaus hat diese zunächst einmal persönliche Dimension auch öffentliche Anerkennung gefunden. In Diskussionen mit politischen Vertretern, öffentlichen Lesungen und durch die Verbreitung über das Internet heben die Autorinnen und Autoren eine Stimme bekommen. Das Projekt setzt ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und tritt ein für Toleranz und Integration. Die besondere Umsetzung in die Öffentlichkeit findet die Jury anspruchsvoll und nachhaltig. Dass hier Jugendliche in innovativer Form das Thema auch für Jugendliche aufbereitet haben, wird mit diesem Preis gewürdigt.
Hintergrundinformation
Seit dem 5. April 1992 gilt in Deutschland die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. 193 Länder haben diese Übereinkunft über die Rechte der Kinder mittlerweile unterzeichnet, sie gilt damit für nahezu zwei Milliarden Kinder der Erde! Die Kinderrechtskonvention enthält eigenständige Grundrechte der Kinder und signalisiert so, dass nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern mit Respekt zu begegnen ist. Für das tägliche Leben heißt dies, dass alle Kinder in ihren Belangen, mit ihren Interessen und Bedürfnissen wahrgenommen werden sollen. Kinder brauchen ein gesellschaftliches Klima, in dem sie willkommen sind und sich anerkannt fühlen können.
Über den 3. Platz freute sich die IGS Kronsberg Hannover in Kooperation mit Corinna Luedtke. Sie wurden für das Projekt „Du und ich – Vielfalt als Chance“ ausgezeichnet. (3/3)
Aktuelle Informationen finden Sie unter www.kinderhabenrechtepreis.de