Kommunen wollen Betreuungsangebot und familienfreundliche Strukturen ausbauen
HANNOVER. Familienministerin Mechthild Ross-Luttmann und Kultusminister Bernd Busemann haben heute bei der Auftaktveranstaltung des Landesprogramms "Familien mit Zukunft – Kinder bilden und betreuen" in Hannover das große Interesse und die Kooperationsbereitschaft der Kommunen gelobt. Fünf Kreise und zwei Städte haben beim Land bereits Anträge auf Förderung gestellt. Weitere 44 Kommunen arbeiten derzeit mit Hochdruck an ihren Konzepten. Sie wollen zwischen April und Spätsommer mit konkreten Projekten zum Ausbau und zur besseren Vernetzung von verlässlichen sowie flexiblen Kinderbetreuungsangeboten – vor allem für unter Dreijährige – starten. Ebenso sind Projekte zur Qualifizierung von Tagespflegekräften und der frühkindlichen Bildung vorgesehen.
Niedersachsen stellt für sein Landesprogramm in den Jahren 2007 bis 2010 insgesamt 100 Mio. Euro bereit. Die kommunalen Projekte werden hälftig gefördert. Mehr als 120 Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der freien Träger, der Wohlfahrtsverbände und Familienhilfe, der Tagespflegeverbände, der Kirchen und der Kommunen nahmen an der Auftaktveranstaltung teil.
"Eltern brauchen eine familienfreundliche Infrastruktur, um Erwerbstätigkeit und Familienleben besser miteinander vereinbaren zu können. Ganz im Mittelpunkt stehen deshalb hochwertige und verlässliche Kinderbetreuungsangebote. Deshalb baut die Landesregierung mit dem Programm "Familien mit Zukunft" ihr familienpolitisches Engagement aus und unterstützt die Kommunen beim Ausbau von familienfreundlichen Infrastrukturen insbesondere für die Betreuung der unter Dreijährigen", so Mechthild Ross-Luttmann.
Das Kabinett hat sich darauf verständigt, neben der Förderung von Kindergärten, Krippen und Horten ein Programm mit einem zusätzlichen Schwerpunkt aufzulegen.
"Die ersten Konzepte liegen vor, die ersten Anträge sind gestellt. Das Spektrum der Vorhaben reicht von der Einrichtung von Familienservicebüros in jeder Gemeinde eines Landkreises über Notfall- und Ferienbetreuung, Sicherstellung von besonderen Betreuungszeiten bis hin zu Vernetzung und Zusammenarbeit von Tagesmüttern und Kindertagesstätten", betonte die Familienministerin.
Vor allem der Einrichtung so genannter Familien- und Kinderservicebüros komme künftig eine wichtige Rolle zu: Sie sollen Betreuungsbedarfe ermitteln, ansprechbar sein für Eltern und Kindergärten, für Betriebe und Schulen, Angebote in den Ferien organisieren, Eltern und Betreuungseinrichtungen beraten, Tagespflegepersonen qualifizieren.
"Mit unseren Sprachförderprogrammen haben wir bereits wichtige Weichen für die Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Kindertagesstätte gelegt. Diese Zusammenarbeit werden wir besonders im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung mit unserem so genannten "Brückenjahr" ausbauen und dazu jährlich 5 Millionen Euro aus dem Landesprogramm Familien mit Zukunft – Kinder bilden und betreuen allein für das Brückenjahr investieren" hob Kultusminister Bernd Busemann hervor.
Unter dem Aspekt der frühkindlichen Bildung und angesichts der hohen Erwartungen an die Betreuung von Kindern in Bezug auf Förderung und Bildung brauche auch die Tagespflege weitere unterstützende Maßnahmen. Kindertageseinrichtung und Kindertagespflege könnten interessante Kooperationen eingehen. "Gemeinsame Aktivitäten sind ebenso denkbar wie ein abgestimmtes Vorgehen, um den Übergang des Kindes von der Tagesmutter in die Kindertagesstätte vorzubereiten und es den Kindern zu erleichtern, dort gut anzukommen. Wie zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Kitas und Schulen bereits praktiziert, könnten auch gemeinsame Fortbildungen zu bestimmten Themen wie z. B. Sprachförderung oder Gesundheitserziehung als gemeinsame Veranstaltungen für Tagespflegepersonen und Fachkräften in Kitas durchgeführt werden", sagte Busemann.
Die Landesregierung wolle mit dem Programm das Kindertagesstättenangebot durch flexible andere Bausteine ergänzen. Dahinter stehe die Überzeugung, dass die qualitativ hochwertige Tagespflege für die Betreuung unter Dreijähriger oder auch für die Versorgung von älteren Kindern außerhalb der Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen noch nicht ausgeschöpft sei.
"Die skandinavischen Länder, aber auch Österreich und Frankreich stellen unter Beweis, dass institutionelle Kinderbetreuung und Tagespflege nicht in Konkurrenz stehen müssen. In diesen Ländern werden die Angebote miteinander verknüpft bis hin zu gemeinsamer Fortbildung. Das möchten wir auch in Niedersachsen erreichen", sind sich Ross-Luttmann und Busemann einig.
13.03.2007
Niedersachsen Portal