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Sozialministerin Ross-Luttmann und Prof. Pfeiffer: „Konsum von Killerspielen tatsächlich eindämmen“

Maßnahmenkatalog gegen „Killerspiele“: bessere Onlinekontrollen, „Killerspiel“-Testkäufe, Altersfreigabe für „World of Warcraft" erst ab 18, mehr „Eltern-Medien-Trainer“

HANNOVER. Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann und Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), wollen mit einem Maßnahmenkatalog energischer gegen "Killerspiele" vorgehen sowie gegen solche Spiele, die Kinder und Jugendliche zu suchtartigem Spielen verführen: sie fordern,

  • die Altersfreigabe für das Online-Spiel "World of Warcraft" auf 18 Jahre heraufzusetzen,
  • eine Spieleüberprüfung wie bei der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) auch bei reinen Online-Spielen,
  • den Einsatz von "Killerspiel"-Testkäuferinnen und Testkäufern,
  • mehr "Eltern-Medien-Trainer" sowie
  • wirksame internationale Verpflichtungen von Internet-Providern, brutalen Videos wie dem Rapper-Video über einen Amoklauf an einer Schule keine Plattform mehr im Internet zu bieten.

"Einfache Patentrezepte gibt es nicht. Aber Industrie, Medienprüfstellen, Bund und Länder müssen gemeinsam mehr

Anstrengungen unternehmen, um den Konsum Gewalt verherrlichender Spiele und Videos vor allem durch Kinder und Jugendliche wirksam zu erschweren und auch tatsächlich einzudämmen", sagten Ross-Luttmann und Pfeiffer am Montag in Hannover.

Altersfreigabe für Online-Spiel "World of Warcraft" auf 18 Jahre heraufsetzen

Ross-Luttmann und Pfeiffer wollen die gegenwärtige Altersfreigabe von 12 Jahren für das Online-Spiel "World of Warcraft" auf 18 Jahre heraufsetzen lassen. Niedersachsen schlägt vor, dazu ein juristisches Gutachten erstellen zu lassen. Das KFN wird die Studie über Computerspielabhängigkeit im Kindes- und Jugendalter an das für die USK zuständige Landesministerium in Nordrhein-Westfalen übersenden. Eine juristische Hürde liegt darin, dass die Abhängigkeitsproblematik eines Spieles bisher bei der Spieleprüfung nicht als Kriterium zu berücksichtigen ist.

Spieleüberprüfung wie bei der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) auch bei reinen Online-Spielen

Ross-Luttmann und Pfeiffer fordern eine Spieleüberprüfung durch die USK auch bei reinen Online-Spielen. "Das Zuständigkeitsdickicht muss hier endlich gelichtet werden. Bislang werden Online-Spiele der USK gar nicht vorgelegt." Die Spieleüberprüfung im Onlinebereich sei vom Jugendschutz vordringlich zu behandeln. Da Niedersachsen die Debatte um das problematische Spielverhalten voranbringen will, soll ein Experten-Hearing stattfinden.

"Killerspiel"-Testkäufe

Ross-Luttmann will die Einführung von verdeckten Testkäufen, um den Verkauf der oft indizierten Spiele an Minderjährige besser zu unterbinden. Dass Kinder und Jugendliche häufig problemlos Computerspiele für Erwachsene kaufen könnten, liege weniger an Mängeln bei den gesetzlichen Vorschriften der Altersfreigabe. Die Aktionen könnten nach dem Vorbild der Alkohol-Testkäufe erfolgen, die seit einigen Monaten in Niedersachsen praktiziert werden und illegale Verkäufe von alkoholischen Getränken an Minderjährige aufdecken sollen. Bei Verstößen müssen Verkäuferinnen und Verkäufer mit einem Bußgeld rechnen. Ross-Luttmann: "Dabei sollten jedoch ausschließlich Auszubildende aus Verwaltungen und Behörden eingesetzt werden. Bei der konkreten Planung und Umsetzung müssen zudem die Suchtberatungsstellen und Jugendverbände einbezogen werden." Die Sozialministerin kündigte an, ihren Vorschlag bei der nächsten Konferenz der Jugend- und Sozialminister von Bund und Ländern auf die Tagesordnung zu bringen.

Mehr "Eltern-Medien-Trainer"

Damit auch Eltern mehr erfahren, was in Kinder- und Jugendzimmern wirklich gespielt wird, seien auch Projekte wie die in Niedersachsen erfolgreich gestarteten "Eltern-Medien-Trainer" bundesweit auszudehnen. Bislang sind in Niedersachsen 71 Trainerinnen und Trainer ausgebildet. Ross-Luttmann: "Die schärfsten Gesetze der Welt sind nutzlos, wenn Eltern nicht wissen, was in Kinder- und Jugendzimmern abgeht und was in ihren Kindern vorgeht."

Wirksame internationale Verpflichtungen von Internet-Providern

Ross-Luttmann und Pfeiffer bezeichneten ein im Internet existierendes Rapper-Video über einen Amoklauf, der wie eine Blaupause für das Blutbad von Winnenden wirkt, als "unfassbar". Sie wollen die Bundesregierung bitten, auf internationaler Ebene tätig zu werden: "Wir brauchen endlich wirksame internationale Verpflichtungen von Internet-Providern, brutalen Videos wie dem Rapper-Video über einen Amoklauf an einer Schule keine Plattform mehr im Internet zu bieten."

www.kfn.de
www.eltern-medien-trainer.de
www.landesstelle-jugendschutz-nds.de

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