Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung klar

Weniger Zwang, mehr Hilfe – Niedersachsen prüft neue Wege in der Psychiatrie

Ministerin Reimann: „Zwangsmaßnahmen auf das absolut notwendige Maß beschränken!“


Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie sollen dem Schutz der Patientinnen und Patienten dienen, stellen zugleich aber auch immer eine schwere seelische Belastung dar. Das kann zu lebenslangen Traumatisierungen bei den Betroffenen führen. Die Niedersächsische Landesregierung will daher Zwangsmaßnahmen soweit wie möglich reduzieren. Das macht Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann im Rahmen der Tagung „Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie mindern" in Loccum deutlich. Die vom Sozialministerium gemeinsam mit der Evangelischen Akademie und dem Landesfachbeirat Psychiatrie Niedersachsen ausgerichtete Zusammenkunft von Expertinnen und Experten sowie Betroffenen dauert noch bis zum morgigen Mittwoch an.

„Es ist eine Gratwanderung", betont die Niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann, „manchmal müssen psychisch kranke Menschen vor sich selbst geschützt werden. Auch hier gilt es jedoch die Würde und die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten zu achten und Zwangsmaßnahmen auf das absolut notwendige Maß zu beschränken." Die Ministerin erarbeitet deshalb zusammen mit Betroffenen, Angehörigen und weiteren Expertinnen und Experten Maßnahmen zur Vermeidung von Zwang.

Auch der Vorsitzende des Landesfachbeirats Psychiatrie Niedersachsen, Wolfram Beins, begrüßt dieses Vorhaben und verweist auf entsprechende Empfehlungen im Landespsychiatrieplan Niedersachsen. „Die Psychiatrie in Niedersachsen hat die Aufgabe, stets nach Alternativen zu Zwangsmaßnahmen zu suchen", so Beins. „Es gibt bereits bewährte Ansätze in der Behandlungspraxis", ergänzt die Tagungsleiterin Dr. Monika C. M. Müller, „diese wollen wir in einem Handlungskatalog zusammenzufassen."

Aus Sicht der Expertinnen und Experten genügt es nicht, in den stationären Einrichtungen etwas zu verändern, auch das ambulante Angebot vor Ort muss erweitert werden.

Neben verbesserten Krisenhilfen in den Kommunen - insbesondere nachts und an Wochenenden - können auch alternative Angebote wie Rückzugsräume und Weglaufhäuser ein erster Schritt sein (Zufluchtsorte für Menschen, die eine Alternative zur gängigen psychiatrischen Behandlung suchen). Wichtig ist daneben eine stärkere Vernetzung der Hilfsangebote, etwa durch den Aufbau von Gemeindepsychiatrischen Zentren. Multiprofessionelle Behandlungsteams, die psychisch kranke Menschen zu Hause aufsuchen, können schnell und flexibel auf mögliche Krisen reagieren, so dass Zwangseinweisungen eher vermieden werden können.

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10.04.2018

Ansprechpartner/in:
Uwe Hildebrandt

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